Wer nach einem Beispiel für Euphemismus in der Wirtschaft sucht, wird in fast jedem Wirtschaftsteil einer Zeitung oder einem Börseninformationsportal im Internet schnell fündig. Beim intensiven Betrachten fallen Euphemismen im Sprachgebrauch der Wirtschaftsjournalisten auf, die für uns selbstverständlich geworden sind. 

Entsprechend einem Leitspruch von Bundeskanzler Ludwig Erhard (Bundeskanzler von 1963-1966) würde Wirtschaft zu mindestens 50 % aus Psychologie bestehen. Deshalb sind ganze PR-Abteilungen und Werbestrategen damit beschäftigt, Begriffe zu erfinden, die die Kauflaune der Kunden und Aktionäre erhalten sollen. Vordringlichstes Ziel ist es aber meist, das eigene Unternehmen stets in positivem Licht erscheinen zu lassen. Daher werden Begriffe, denen eine negative Konnotation anhaftet, in der Wirtschaft gerne durch Euphemismen ersetzt. In vielen Fällen erleichtern Euphemismen den Wirtschaftsteilnehmern auch einfach das Gewissen, denn sie helfen, von konkreten Einzelschicksalen zu abstrahieren.

Der Euphemmismus in der Wirtschaft anhand verschiedener Beispiele

Konkrete Beispiele veranschaulichen am besten, warum im Sprachgebrauch der Wirtschaftsakteure Euphemismen so beliebt sind:

  • Freisetzungen und Stellenstreichungen statt Entlassungen: Einer der am häufigsten genannten Euphemismen in der Wirtschaft beschäftigt sich mit Entlassungen, einem sehr negativ behafteten Thema. Schließlich geht es hier um viele Einzelschicksale. Oft werden viele Familienväter in die Arbeitslosigkeit geschickt. Um dieses Kopfkino zu vermeiden, werden stattdessen Begriffe wie „Freisetzung“ oder „Stellenstreichung“ verwendet. Bei der „Freisetzung“ wird der eher positiv gesehene Wortbestandteil „frei“ verwendet, bekannt z. B. aus „freilassen“.
    Die „Stellenstreichung“ ist im wirtschaftlichen Sprachgebrauch oft in Nachbarschaft zu ähnlich euphemistischen Begriffen wie „Synergieeffekte“ zu finden.
  • Sortimentsabrundung oder Besinnung auf die Kernkompetenzen: „Wir machen künftig nur noch das, was wir wirklich können“. Klingt gut, bedeutet aber faktisch: Das Management korrigiert nun Fehler, die auf einer Selbstüberschätzung beruhen und zu einer Verzettelung des Unternehmenswachstums geführt haben. Man hat sich in Sparten versucht, von denen man keine Ahnung hat und musste feststellen, dass hier kein Geld verdient werden kann, aber vermutlich viel Geld verbrannt wurde.
  • Der Sparpreis ist nur selten zu überbieten: Dieser Euphemismus in der Wirtschaft hat einen sehr eindeutigen Schöpfer: Hartmut Mehdorn schaffte gleich zu Beginn seiner Tätigkeit den Hauptvorteil der Bahn ab: Fahrgäste konnten früher jeden Zug wählen. Samstags und sonntags gab es beispielsweise 20 % Rabatt – ganz ohne Zugbuchung und Vorausbuchungspflicht. Mit einer einzigartigen Verschleierungsaktion vermischte er Preiserhöhung der Grundpreise, Abschaffung eines festen IC-Zuschlages und Ersetzung durch einen Preismultiplikator und rührte das Preissystem um. Das System der Sparpreise aus zwei Sparpreisen wurde später dann auf zehn oder zwanzig Preisstufen im gleichen Zug umgestellt, verbunden mit der Buchungspflicht für einen konkreten Zug.
    Mit dem positiv behafteten Wortbestandteil „Spar-“ werden die Nachteile, wie die Zugbindung und der Verfall des Tickets bei Nichtantritt der Fahrt, einfach unter den Teppich gekehrt.
Euphemismus in der Wirtschaft

Der Euphemismus in der Wirtschaft verschleiert tatsächliche Entwicklungen wie Entlassungen oder Kosteneinsparungen.

Der Euphemismus in der Wirtschaft dient meist der Verschleierung

Der Euphemismus in der Wirtschaft hat eine ganz klare Kommunikationsaufgabe: Er verschleiert tatsächliche Entwicklungen wie Entlassungen, Kosteneinsparungen oder Preiserhöhungen. Negativ behaftete Begriffe werden dabei durch Begriffe oder Wortbestandteile ersetzt, denen etwas Positives anhaftet. Durch einen solchen Euphemismusgebrauch in vielen Wirtschaftszweigen klingen schlechte Nachrichten, die Verbraucher oder Aktionäre verunsichern könnten, gleich weniger schlimm.