Die Epistemologie, auch als Erkenntnistheorie bezeichnet, ist ein Segment der Philosophie, das sich mit der Frage auseinandersetzt, wie Wissen generiert wird. Epistemologen beschäftigen sich insbesondere damit, wie aus dem Prozess der Erkenntnis auf die Wahrheit des akquirierten Wissens geschlossen werden kann. Das Streben nach der Beantwortung dieser Frage stammt offensichtlich nicht primär aus der Philosophie, sondern ist für die gesamte Wissenschaft von essentieller Bedeutung gewesen. In den Überlegungen der Erkenntnistheorie finden die grundverschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen letztliche ein gemeinsames Fundament.

In Gemeinschaft für die Gesellschaft

Ein besonderer Vertreter, der diese philosophische Ausrichtung durch sein Denken und sein Leben bedeutend mitbestimmt hatte, war Ferdinand Tönnies. Der interdisziplinär tätige Soziologe, Philosoph und Nationalökonom ist ein exzellentes Beispiel für die Einheit der Wissenschaften. In das öffentliche Gedächtnis geriet er in besonderem Maße durch seine lebhafte Beteiligung an öffentlichen Debatten zu zeitgenössischen Interessenlagen und Problemstellungen. Seine publizistische Tätigkeit war dabei allumfassend und prägte die öffentliche Meinung in Fragen der Soziologie und Philosophie in gleicher Weise wie zu Themenbereichen der Tagespolitik. Historische Bedeutung kommt Ferdinand Tönnies jedoch insbesondere als Gründungsvater der modernen Soziologie zu, die er mit wegweisenden Entdeckungen im Rahmen der soziologischen Feldforschung entscheidend mitgeprägt hatte. Darüber hinaus wird sein theoretisches Werk Gemeinschaft und Gesellschaft zu den Klassikern dieser Disziplin gerechnet.

Ferdinand Tönnies

In Anbetracht der amtlichen Statistik war Ferdinand Tönnies jedoch nicht nur als Individuum interessant.

Der Tönnies Korrelationskoeffizient

In Anbetracht der amtlichen Statistik war Ferdinand Tönnies jedoch nicht nur als Individuum interessant. Neben seinem Geburtsdatum am 26. Juli des Jahres 1855 und seinem Sterbetag, dem 9. April 1936 in Kiel, waren dessen Lebtage auch für die Methodik der Statistik von erheblicher Bedeutung. Besonders seine Arbeiten zum Korrelationskoeffizienten prägten den Verwaltungsapparat des Deutschen Reiches und verschafften dem Soziologen Akzeptanz und Anerkennung unter den Mathematikern. Ein Korrelationskoeffizient ist ein Maß für die stochastische Abhängigkeit zweier Zufallsvariablen und obwohl Tönnies maßgeblich an dessen Entwicklung beteiligt war, verwendet die amtliche Statistik der heutigen Zeit zumeist den Korrelationskoeffizienten von August Bravais und Karl Pearson. Zahlenmäßig interessant ist allerdings auch die posthume Gesamtausgabe von Tönnies Werken, welche 24 Bände umfasst und ein stichhaltiges Indiz für die hohe Produktivität des Wissenschaftlers darstellt.

Das Leben des Soziologen

Der unermessliche Fleiß, welcher die akademische Tätigkeit von Ferdinand Tönnies auszeichnete, lässt sich bis in seine Kindheit in Husum hinein verfolgen. Der eifrige Gymnasiast arbeitete dort als Korrekturgehilfe für seinen späteren Freund und Kollegen Theodor Storm und absolvierte sein Abitur mit 16 Jahren. Ein Jahr darauf widmete sich der fremdsprachenbegabte Tönnies einem Studium der Philologie und der Geschichte in Jena, welches er nach weiteren Studienaufenthalten in Leipzig, Bonn und Berlin schließlich mit der Doktorwürde abschloss. Nach einem weiteren privaten Studium der Philosophie und der Staatswissenschaften sowie einer ausgiebigen publizistischen Widmung ließ sich Ferdinand Tönnies letztlich in Kiel nieder. Im Jahre 1909 wurde ihm an der städtischen Christian-Albrechts-Universität eine Professur angetragen, von der er 1916 emeritiert wurde und aufgrund seiner Opposition zum Nationalsozialismus 1936 besitzlos in Kiel verstarb.

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