Weltanschauung ist ein wunderbar originelles Wort der deutschen Sprache. Es erklärt sich selbst als die Art und Weise, wie die Welt angeschaut wird. Dabei ist nicht das optische Geschehen gemeint, sondern der seelische Vorgang, bei dem durch Einstellungen die Aufmerksamkeit gelenkt wird, Eindrücke entstehen und zu einem Weltbild zusammengesetzt werden.

Subjektive Weltanschauungen

Jeder Mensch hat eine subjektive Weltanschauung

Jeder Mensch hat eine subjektive Weltanschauung

Die Art und Weise, die Welt zu betrachten, wird wahrscheinlich schon durch die genetische Veranlagung bestimmt, durch die auch die seelischen Prozesse gesteuert werden, auf jeden Fall aber durch Erfahrungen und Wissen, die die Umwelt vermittelt. Die Aufmerksamkeit eines Weltbetrachters wird unbewusst auf ganz bestimmte Ausschnitte und Geschehnisse der umgebenden Wirklichkeit gerichtet, die dann auf eine ganz eigene Art aufgenommen, interpretiert, mental repräsentiert und zu einem persönlichen Abbild der Welt und ihrer Zusammenhänge zusammengefügt werden. Somit hat jeder Einzelne im Grunde seine persönliche Weltanschauung, die jedoch mit der anderer Menschen Gemeinsamkeiten aufweist und somit einer bestimmten Kategorie zugeordnet werden kann.

Weltanschauungskategorien

Die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale beziehen sich auf Werte, deren Allgemeingültigkeit behauptet wird, auf Annahmen, die durch den Verstand begründet werden und auf Normen, die aus der Notwendigkeit gesellschaftlicher Regelung erwachsen, und wirken sich auf religiöse und moralische Vorstellungen, Rechtsauffassungen, das Menschenbild und dergleichen aus, die wiederum einen ganz bestimmten Blick auf die Welt zur Folge haben. Die als Atheismus bezeichnete Behauptung der Nichtexistenz eines Gottes oder eines dem Menschen übergeordneten Wesens im allgemeinen als Ausgangspunkt einer Weltanschauung bedeutet, dass alle Werte und Sinngebungen, insoweit sie aufrecht erhalten werden sollen, ihre Verbindlichkeit nicht aus göttlichen Geboten oder Offenbarungen ziehen können, sondern andere Begründungen verlangen.

Nihilismus als die Verneinung aller Werte

Eine Weltanschauung, die von der Nichtexistenz gemeinsamer Werte, Annahmen oder Normen ausgeht und somit eine allgemein gültige Grundlage von Wahrheit, Recht, Moral oder Wissen leugnet, gelangt, wenn sie konsequent durchgehalten wird, notwendigerweise zum nackten Ich. Die persönliche Sicht jedes Einzelnen entscheidet für ihn allein darüber, was wahr, rechtens und moralisch ist oder gewusst werden kann. Dies bedeutet den Triumph der persönlichen Weltanschauung, fördert aber gleichzeitig die Anarchie. Jeder Versuch, den Einzelnen in die gemeinsame Gestaltung einer Gruppe oder der Gesellschaft als Ganzem einzubinden, muss scheitern, da es nichts gibt, womit ein Übereinkommen begründet und gar verpflichtend gemacht werden kann.