Die novellistische Studie „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann entstand im Jahr 1887. Die Erzählung, die zu den bedeutendsten Werken des Naturalismus gehört, wurde 1888 wurde veröffentlicht.

Nachdem Tod seiner Frau Minna heiratet der Bahnwärter Thiel aus Vernunft die Magd Lene. Lene vernachlässigt Tobias, den ersten Sohn von Thiel. Thiel entdeckt die Misshandlungen an seinem Sohn zwar, unternimmt aber nichts. Da er mittlerweile abhängig von Lene ist. Die Situation verstört Thiel so sehr, dass er sich immer häufiger in Visionen über seine verstorbene Frau Minna flüchtet. Die Visionen werden schließlich immer quälender und verschwinden nur in Gegenwart seines Sohnes Tobias. Während des Kartoffelsetzens vergisst Lene auf Tobias zu achten. Es kommt zu einem tragischen Unfall, ein Schnellzug erfasst den Jungen. Mit gebrochenen Gliedern wird Tobias zur nächsten Krankenstation gebracht. Thiel muss seine Arbeit fortsetzten und wird währenddessen von Visionen geplagt. Ein Zug bringt den Leichnam von Tobias, worauf Bahnwärter Thiel zusammenbricht. Als Arbeiter einige Stunden später zu Thiels Haus gelangen, finden sie Lene und den Säugling ermordet auf. Später wird Bahnwärter Thiel auf den Gleisen sitzend aufgefunden. Nach wenigen Stunden im Untersuchungsgefängnis wird Thiel schließlich in die Irrenabteilung überstellt. Die novellistische Studie von Gerhart Hauptmann ist linear aufgebaut und die Handlung ist in sich geschlossen. Der Wendepunkt der realitätsnahen aber doch neuartigen Handlung liegt am Ende.

Bahnwärter Thiel – Ein Werk des Naturalismus

Die novellistische Studie „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann entstand im Jahr 1887.

Die novellistische Studie „Bahnwärter Thiel“ von Gerhart Hauptmann entstand im Jahr 1887.

Die literarische Strömung des Naturalismus beruht auf der genauen Beobachtung der Natur. Die Epoche beginnt um 1880, so dass Bahnwärter Thiel zu den sehr frühen Werken gehört. Naturalistische Merkmale in Bahnwärter Thiel sind:

  • Ein Antiheld als Hauptfigur
  • Genaue Zeit- und Ortsangaben
  • Eine genaue und detailierte Beschreibung des Geschehens
  • Der Arbeiteralltag und die Darstellung des Alltäglichen

Gerhart Hauptmann, der Autor der Novelle

Gerhard Johann Robert Hauptmann wurde am 15. November 1862 in Ober Salzbrunn in Schlesien geboren. Später änderte er seinen Rufnamen in Gerhart. Seine novellistische Studie „Bahnwärter Thiel“ entstand 1887. Weitere Werke folgten. 1912 erhielt Gerhart Hauptmann den Nobelpreis für Literatur. 1932 anlässlich seines 70. Geburtstages erhielt er mehrere Ehrenbürgerwürden. Viele seiner Werke wurden mit bekannten Darstellern inszeniert. Die Uraufführung von „Vor Sonnenuntergang“ übernahm Max Reinhardt. Mit dem Stück, das Sexualität und Alkoholismus zeigt, schockierte Gerhart Hauptmann das bürgerliche Publikum. Am 6. Juni 1946 verstarb Gerhart Hauptmann im schlesischen Agnetendorf.