Vom kulturell sehr einflussreichen Frankreich erreichte die literarische Strömung des Naturalismus den deutschen Raum. Besonders prägend war dabei das Jahrzehnt zwischen 1885 und 1895, wenngleich vielerorts von einem längeren Zeitraum gesprochen wird (1880-1900).

Literaturhistorischer Hintergrund:

Die Konsequenzen der industriellen Revolution bildeten den Ausgangspunkt des Naturalismus und gaben Anlass dazu litarische Werke in eine reine Natürlichkeit zurück zu führen, wobei es den Autoren darum ging, Wirklichkeitsausschnitte möglichst konkret darzustellen. Im Zuge der deutschen Reichsgründung von 1871 konzentrierte man sich nun mehr wieder verstärkt auf Europa, so dass ein aggressiv-imperialistisches Großmachtstreben entstand, welches dazu führte, dass die innenpolitischen Konflikte wieder aufblühten und Lebensbedingungen sich allmählich verschlechterten. Innerhalb der Bevölkerung machte es sich stark bemerkbar, dass die Jahrhundertwende bevor stand.

Die Menschen und Künstler des Naturalismus:

Naturalismus ist eine Strömung in Literatur.

Naturalismus ist eine Strömung in Literatur.

Das Denken der Menschen verdichtete sich in zwei Richtungen. Auf der einen Seite blickte das Besitzbürgertum positiv in die bevorstehende neue Zeit und orientierte sich vor allem an materialisitschen Werten. Auf der anderen Seite zögerte das Bildungsbürgertum dem Fortschrittsgedanken so bedingungslos nach zu eifern und versuchte stets auch die traditionellen Werte zu wahren. Die Künstler des Naturalismus bezeichneten sich selbst als literarische Avantgarde, da sie sich bewusst dem Neuen zuwandten. Ihr Abbild der Wirklichkeit wurde ohne Rücksicht auf traditionelle Vorgaben so dargestellt, dass weder die Elemente der Klassik, der Romantik oder des poetischen Realismus dabei eine Rolle spielten. Im Naturalismus wurden demnach Kunst, Natur und Wirklichkeit als einheitliche Begriffe gebraucht, um deutlich zu machen, wie eng diese Aspekte zusammenhängen.

Gerhart Hauptmann als Vertreter des Naturalismus:

Besonders die literarischen Anfänge Gerhart Hauptmanns sind dem Naturalismus zu zuordnen, weshalb seine Novelle Bahnwärter Thiel (1888) und sein Drama Vor Sonnenaufgang (1889) als erste bedeutende Werke des Naturalismus gezählt werden. Hauptmanns Anspruch war es die tatsächliche Realität als literarische Wirklichkeit darzustellen. Er registrierte die schlechte Lebensbedingungen und nahm sie als Anlass seiner wirklickeitsnahen Familiendramen und Milieustudien. Die Vielseitigkeit Hauptmanns ließ ihn auch in weiteren literarischen Strömungen aktiv werden, so dass seine Leistungen 1912 mit dem Nobelpreis für Literatur honoriert wurden.

Autoren und ihre Werke:

  • August Strindberg (Schwede, 1849-1912): „Der Vater“ (Drama); „Das rote Zimmer“ (Roman)
  • Gerhart Hauptmann (1862-1946): „Die Weber“, „Der Biberpelz“ (Dramen)
  • Arno Holz (1863-1929): „Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze“ (literaturtheoretischer Text); „Phantasus“ (Gedichte)