Die Gretchenfrage ist mit Sicherheit die unangenehmste Frage, welche man seinem Gegenüber stellen kann. Im Endeffekt wird mit dieser speziellen Fragestellung versucht den Kern bzw. die Absicht der gefragten Person herauszufinden bzw. oftmals ein Bekenntnis zu erreichen, welches bislang von der gefragten Person – aus verschiedenen Gründen – noch nicht gegeben wurde. Die befragte Person hat bei der Gretchenfrage bzw. vor dieser Frage immer wieder versucht, dass die Handlungsmotive seines Wirkens bzw. seiner Tat unerkannt bleiben.

Der historische Ursprung

Die Gretchenfrage kommt besonders gerne in Interviews zum Einsatz.

Die Gretchenfrage kommt besonders gerne in Interviews zum Einsatz.

Die Gretchenfrage kommt erstmals bei Goethes Faust vor. Verantwortlich für die Namensgebung ist die dort vorhandene Protagonistin Margarete – aus diesem Grund wurde auch die Fragestellung mit Gretchenfrage bezeichnet. Auch heute gibt es immer wieder die Gretchenfrage in den verschiedenen Richtungen. So wird sie vor allem gerne bei Interviews mit Politikern gestellt. So etwa, wenn Politiker von Praktikanten schwärmen und sich dafür einsetzen, dass diese höher bezahlt werden, würde die Gretchenfrage lauten: „Und, wie haben Sie es mit Praktikanten?“ oder auch „Haben Sie Praktikanten eingestellt?“ Natürlich versucht man immer wieder mit der Frage sein Gegenüber aus der Reserve zu locken und versucht auch – auf Grund von der Körpersprache wie der Reaktion – aus dem Gegenüber zu lesen, wie er tatsächlich zur Frage steht.

Die Anwendung im normalen Leben

Die Frage wird zwar immer wieder gerne gestellt, doch oftmals wissen die Beteiligten gar nicht, dass es sich um die beliebte Gretchenfrage handelt. Wichtig ist der Unterschied zur Doppelbindungsstrategie, bei welcher sehr wohl gezielt daran gearbeitet wird, dass die befragte Person in die Enge getrieben wird und so mit einem Geständnis aufhorchen lässt. Es ist jedoch möglich, dass die Doppelbindungsstrategie mit der Gretchenfrage kombiniert wird, sodass es oftmals für die befragte Person unmöglich ist, aus der Fragestellung eine positive Antwort zu geben bzw. dass es der befragten Person – auf Grund von mangelnden Alternativen – nur übrig bleibt, doch seine Beweggründe zu nennen.