Es gibt wohl keinen, der nicht schon eine rhetorische Frage in der Konversation eingesetzt hätte, wenn auch meist, ohne sich dessen bewusst zu sein. Die rhetorische Frage ist so alt wie die Menschheit selbst und seit eh und je Teil der menschlichen Kommunikation.

Stilmittel der Kommunikation

Im Gegensatz zur Gretchenfrage, die Antwort auf ein Kernproblem sucht, bezweckt die rhetorische Frage nicht, eine Information zu erhalten. Sie ist keine Frage im üblichen Sinne und wird eingesetzt, um den Zuhörer suggestiv im Sinne des Sprechers zu beeinflussen und das Gesagte zu bestätigen. Die rhetorische Frage ist ein Stilmittel der zwischenmenschlichen Kommunikation, das gezielt oder auch unbewusst eingesetzt wird.

Wer hat nicht schon Fragen wie “Hab ich das nicht schon immer gesagt? oder “Machen wir nicht alle mal Fehler? “ gestellt, um sich selbst zu bestätigen oder eigene Fehler zu relativieren. Während diese Art Fragen eher vom Unterbewusstsein gesteuert sind, werden rhetorische Fragen in Politik, Marketing und Werbung ganz gezielt eingesetzt.

Das Leben ist voller rhetorischer Fragen

Rhetorische Fragen werden in der Werbung benutzt, um Denkprozesse, Wünsche und Emotionen zu generieren, die zum Kauf eines Produkts anregen. Die Frage: “Wollen sie für ihr Kind günstiges oder gesundheitlich unbedenkliches Spielzeug?“ appelliert an das elterliche Gewissen und erlaubt nur eine mögliche Antwort. Vertreter stellen Fragen wie: “Ärgern sie sich nicht schon lange über zu hohe Beiträge für ihre Versicherung?”, die jeder mit ja beantworten kann und in Homeshopping Sendungen werden wir gefragt, ob wir schnell und ohne zu hungern abnehmen wollen. Sicher wollen wir das …
Kaum ein Redner kommt ohne rhetorische Fragen aus, um bei den Zuhörern Zustimmung zu den eigenen Gedanken zu erzeugen. Die Frage eines Politikers: “Wie lange wollen sie dem grausamen Morden in … noch tatenlos zusehen?” verdeutlicht den vermeintlich moralischen Anspruch des Redners und fordert ihn gleichzeitig von seinen Zuhörern ein. Wer also nicht der Waffenlieferung an das Land X zustimmt, macht sich der moralischen Mitverantwortung schuldig.

Schon große Rhetoriker der Antike wie Sokrates oder Cicero waren Meister der rhetorischen Frage und auch aus der Gegenwart ist dieses suggestive Stilmittel nicht wegzudenken.
Ob gezielt oder unbewusst eingesetzt, verkörpert es den Wunsch des Menschen, Einfluss auf Andere zu nehmen.