Das Higgs-Boson, auch Gottesteilchen genannt, gilt als der entscheidende Baustein zum Verständnis vom Aufbau der Materie. Bis jetzt ist es noch nicht vollständig bewiesen und stellt eine der größten Wissenslücken in der Teilchenphysik dar.
Der Name Gottesteilchen für das Higgs-Boson ist im Volksmund geläufig, in der Wissenschaft wird er nicht gebraucht. Ursprünglich war damit auch das gottverdammte Teilchen gemeint, das über Jahrzehnte nicht entdeckt werden konnte. Der Nobelpreisträger Leon Max Ledermann gab dem Boson in seinem gleichnamigen Buch diesen Namen. Auf Drängen des Verlages erschien das Buch 1993 jedoch unter dem Titel „Das Gottesteilchen: Wenn das Universum die Antwort ist, was ist die Frage?“.

Vielleicht ist das Gottesteilchen bald bewiesen

Bereits 1964 von dem Physiker Peter Higgs beschrieben, konnte im Juli 2012 das Europäische Forschungszentrum für Elementarteilchenphysik CERN in Genf den Nachweis eines Teilchens bekannt geben, dass das Higgs-Boson sein könnte. Im März 2013 bekräftigte die Analyse weiterer Daten diese Annahme. Jetzt ist auch die in der Wissenschaft wichtige Festlegung eines möglichen Messfehlers oder Zufalls auf eine Wahrscheinlichkeit von 1:2 Millionen erfüllt. In der Fachsprache wird es als statistisches Kriterium fünf Sigma bezeichnet. Im Juli vergangenen Jahres lag die Wahrscheinlichkeit noch bei 1:1,6 Millionen.

Warum das Higgs-Teilchen so wichtig ist

Ohne das Gottesteilchen gäbe es keine Masse - Das fänden manche sicher gar nicht schlimm.

Ohne das Gottesteilchen gäbe es keine Masse – Das fänden manche sicher gar nicht schlimm.

Das Higgs-Boson ist genau wie unter anderem das Elektron ein Elementarteilchen.
Nach dem Standardmodell, das die Bausteine der Materie beschreibt und wie sich diese verbinden, erhalten alle Elementarteilchen ihre Masse erst durch die Wechselwirkung mit dem allgegenwärtigen Higgs-Feld. Wellen und Teilchen werden gleichgesetzt und die Masse ist damit lediglich ein Nebeneffekt der Wechselwirkung zwischen den Teilchen.

Die Masse des Higgs-Bosons wurde bisher immer vorausgesetzt, weil es aus mathematischen Gründen unerlässlich für die Entstehung der Masse anderer Elementarteilchen ist. Von dieser Wichtigkeit rührt der Name Gottesteilchen her.

Das Higgs-Teilchen ist im Higgs-Feld implementiert. Das Higgs-Feld wird ebenfalls durch Wechselwirkungen angeregt und tritt in Wellen auf, welche die messbaren Teilchen also das Higgs-Boson darstellen. Der Beweis des Higgs-Bosons wäre gleichzeitig auch der Beweis des Higgs-Feldes.

Tatsächlich sind die Versuche, das Higgs-Boson zu finden, sehr aufwendig. Im Durchschnitt müssen die Forscher eine Billion mal Protonen zusammenstoßen lassen, um ein Higgs-Boson zu entdecken und messen zu können. Die exakte Messung wie und wann das Boson zerfällt ist entscheidend für seine Definition. Daneben gibt es Meinungen, die besagen, dass es sich bei dem gefundenen Teilchen auch um leichte Bosonen-Teilchen handeln könnte. Nach diesen Theorien existieren diese Teilchen außerhalb des Standardmodells. Experten erwarten, dass die international organisierte Analyse der Daten von CERN nicht vor Ende des Jahres 2013 abgeschlossen sein wird.