Der Imperialismus ist das Bestreben innerhalb eines Staatswesens oder eines einzelnen Anführers, andere Länder, seien es nun direkte Nachbarn oder weiter entfernte Länder zu unterwerfen oder, wenn dies nicht gewünscht oder nicht möglich ist, einen so starken Einfluss auf das politische, wirtschaftliche und soziale Leben auszuüben, das daraus eine starke bis totale Abhängigkeit entsteht.

Der Imperialismus versuchte die Welt zu unterwerfen

Der Imperialismus versuchte die Welt zu unterwerfen

Der Begriff Imperialismus bildete sich im 16. Jahrhundert und war schon damals negativ besetzt. Sowohl in Frankreich wie in England wurden mit diesem Begriff die Anhänger des römisch-deutschen Kaisers bezeichnet. Damit waren die deutschen Könige gemeint, die damals den Titel „römisch-deutscher König“ trugen. Dieser Titel geht auf die Dynastie der Ottonen zurück, die im 10. Jahrhundert das Heilige Römische Reich begründeten und damit ihren Herrschaftsbereich bezeichneten. Die Titulierung Römisches Reich sollte den Anspruch festigen, im Sinne des damals längst vergangenen Römischen Reiches zu herrschen.

Mit dem Staatsstreich Napoleons III im Jahr 1851 bekam das Wort Imperialismus neue Bedeutung. Ab diesem Moment wurde es mit Cäsarismus, Bonapartismus oder Napoleonismus gleichgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt wurde Imperialismus als eine sich auf militärische Macht stützende Willkürherrschaft definiert. Auch auf das britische Weltreich wurde der Begriff Imperialismus angewandt, obwohl dort kein Alleinherrscher installiert war.

Kolonialismus und Imperialismus

Zu diesem Zeitpunkt kam es gerade in England zur Diskussion, ob die Kolonialpolitik des Landes nicht eher imperialistische Züge trägt. Der Begriff der Kolonie lässt sich eigentlich nicht mit dem des Imperialismus vereinen, wenn sie auch gemeinsame Züge tragen. Der Kolonialismus wird weitgehend als Besiedlungs- und Entwicklungspolitik eines Landes verstanden. Dazu muss erklärt werden, dass früher ein wesentlich einfacheres Bild von bestimmten Ländern vorherrschte und Kolonisation weitgehend als helfende Politik verstanden wurde.

Ein Teil dieser „helfenden Politik“ war die Akkulturation, die Erziehung der einheimischen jungen Bevölkerung im Sinne der Kolonialherren. Der Vorteil der Akkulturation lag für die Kolonialherren auf der Hand. Junge Menschen, die die gleichen Werte vertreten wie die herrschende Macht neigen weniger zu Widerstand und bildeten ein Reservoir an Arbeitskräften.

Integration der Jugend in den Imperialismus

Akkulturation gab es natürlich auch im Imperialismus. Aus jedem imperialen Reich der Weltgeschichte sind Überlieferungen von jungen Menschen bekannt, die im Sinne der Imperialisten erzogen wurden. Dass dies nicht immer gut geht, zeigt das Beispiel von Hermann, dem Etrusker. In Rom aufgewachsen und erzogen, sollte der Germane später den Römern eine ihrer empfindlichsten Niederlagen beibringen. Die Schlacht am Teutoburger Wald ging in die deutsche Geschichte ein.

Die bekanntesten imperialen Reiche waren das Mongolenreich des Dschingis Khan, das Reich des Mazedoniers Alexander des Großen, das Römische Reich natürlich und das britische Weltreich. Inwieweit imperiale Herrschaft eine zeitliche Ausdehnung vom Anfang bis zum Ende besitzt, ist schwer zu sagen. Insofern könnten auch kurzfristige militärische Besetzungen mit dem anschließenden Versuch der sozialen und wirtschaftlichen Assimilation als Imperialismus bezeichnet werden.