Akkulturation wird in der Literatur nicht eindeutig abgegrenzt bezeichnet. Zum einen verwendet die Wissenschaft den Begriff in Bezug auf die Identitätsbildung des Individuums in der Gesellschaft. Hier bezeichnet Akkulturation das Hineinwachsen einer Person in die sie umgebende kulturelle Umwelt durch den Erziehungsprozess. In der Regel findet die Bezeichnung Adoleszenz die Phase von Kindheit und Erwachsenwerden. Ebenso kann Akkulturation in Zusammenhang mit der Assimilation erwachsener Menschen an einen fremden Kulturkreis geführt werden.

 

„Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein.“ (Karl Marx)

Die Akkulturation entsteht durch Erziehung

Die Akkulturation entsteht durch Erziehung

Die Akkulturation entsteht im überwiegenden Fall durch Erziehung, also einem geplanten Heranführen an kulturelle Normen und Werte. Dabei spielen Familie, Kindertageseinrichtungen und Schule als Institutionen der Wertevermittlung eine maßgebliche Rolle.

In der sozialpsychologischen und Migrationsforschung stellt Akkulturation einen Prozess dar, bei dem Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinandertreffen. Hier unterscheidet die Forschung zwischen vier Strategien der Akkulturation. Die Integration beschreibt ein langes und dynamisches Zusammenfügen zweier oder mehrerer Kulturgruppen, bis hin zum Zusammenwachsen. Am Ende steht eine neue Kulturgemeinschaft, die alte, bisher unterschiedliche Werte und Normen, zu einem neuen Ganzen integriert hat. Bei der Segregation, auch Separation kommt es zu einem Nebeneinander von Kulturen, die in Kontakt treten, ohne sich zu beeinflussen. Bei der Marginalisierung spalten sich soziale Gruppen aus einer Gesellschaft heraus. Meist führt diese Minderheit eine von der Mehrheit ausgegrenzte Randexistenz. Im Falle der Exklusion werden einzelne andersartige Kulturgruppen von der machthabenden Gesellschaftsschicht ausgeschlossen. Den Exkludierten bleibt ein ebenbürtiges Leben, wie im Falle der machthabenden Schicht, verwehrt.

Kulturkontakt im Imperialismus und Kolonialismus

Der Begriff Akkulturation spielt in der Geschichte der Kolonialisierung von Regionen eine entscheidende Rolle. Besonders die Geschichte der Herrschaft der Europäer baut ab dem 1500 Jahrhundert darauf auf, immer begleitet von wirtschaftlicher Ausbeutung und Unterdrückung bis zur Ausrottung fremder Kulturen. Denn im Vordergrund aller Entscheidungen der Imperien oder Kolonialmächte stand ein reiner ökonomischer Eroberungszweck. Ein wirkliches Verschmelzen der Kulturen war unerwünscht. Vielmehr versuchten die Eroberer eine Klassengesellschaft in den eroberten Kolonien zu etablieren. Zum Teil wurden in den fremden Ländern Regierungsformen des Mutterlandes installiert, vollkommen unabhängig von den vorherrschenden Strukturen. Damit war in der Regel ein Werte- und Normenverfall bei den Einheimischen verbunden. Aber zu einer wirklichen Akkulturation kam es nur in Ausnahmefällen. Grund dafür waren unteranderem strenge Hierarchien zwischen Ureinwohnern und Kolonialherren. Teilweise wurde von diesen der Versuch unternommen, die Kinder der Einheimischen an die Werte und Normen des Mutterlandes, wie zum Beispiel an das Christentum, heranzuführen.

In Australien systematisierte die englische Regierung die Zwangsadoption von Aborigineskindern in weiße Familien oder Missionen. Dort erhielten die Kinder eine europäische Ausbildung und Prägung, wurden von ihren Adoptiveltern aber trotzdem Menschen zweiter Klasse angesehen. Ziel dieser Zwangsmaßnahme war es Aborigines mit Weißen zu assimilieren und damit den Genanteil der Aborigines in der australischen Gesellschaft über Generationen auszulöschen.