Auch wenn die deutschen Kolonien dem britischen und dem spanischen Imperialismus gegenüber nicht relevant erscheinen: Die Deutschen haben die Welt mitgestaltet – teilweise mit drastischen Folgen für die Einwohner der besetzten Gebiete. Verfolgt man die Geschichte des deutschen Kolonialismus zurück, wird vor allem eine tragende Rolle Wilhelms II. sichtbar.

Erste Bestrebungen in Übersee

Seit Christoph Kolumbus 1492 die Karibik entdeckte, begannen die europäischen Seemächte, fremde Kontinente zu erobern. Die Deutschen interessierten sich anfangs wenig dafür. Das Herzogtum Kurland im heutigen Lettland unternahm mehrere Versuche, Kolonien zu gründen. 1654 gelang es in der Karibik den Widerstand der Einwohner Tobagos zu brechen. Die Insel wurde in „Neukurland“ umbenannt. Unter dem Druck der Holländer gab das Herzogtum Kurland 1659 das Gebiet jedoch auf. Später wurde es zurückerobert, blieb aber zeitweise ohne Verwaltung. Auch Brandenburg-Preußen gründete deutsche Kolonien. In „Großfriedrichsburg“ in Ghana wurde 1683 ein Vertrag unterzeichnet, bei dem sich Einheimische und Brandenburger gegenseitige Unterstützung zusagten. Sowohl militärisch als auch im Handel mit Sklaven, Gold und Elfenbein arbeiteten die Küstenbewohner mit den Brandenburgern zusammen. Anfang des achtzehnten Jahrhunderts ging der Handel wieder zurück und Friedrich Wilhelm I. verkaufte die deutschen Kolonien an die Niederländer.

Deutsche Kolonien im Kaiserreich

Zuvor von deutschen Privatgesellschaften erworbene Gebiete wurden von Bismarck teilweise unter Schutz gestellt. Damit kam der Reichskanzler Bestrebungen der Nationalliberalen Partei entgegen. Im Südpazifik erhielten mehrere Inseln Schutzbriefe. Nach Verhandlungen mit Amerikanern und Briten wurden 1899 die Grenzen der Inselgruppe „Deutsch-Samoa“ festgelegt. Andere deutsche Kolonien im Südpazifik fasste man zu Deutsch-Neuguinea zusammen. Darunter zählten folgende Regionen:

  • Nördliche Marianen
  • Palau-Inseln
  • Karolinen
  • Marshall-Inseln
  • Nauru
  • Bismarck-Archipel
  • Bougainville
  • Kaiser-Wilhelms-Land
Deutsche Kolonien gab es zum Beispiel in Togo

Deutsche Kolonien gab es zum Beispiel in Togo

Die drei letzteren Gebiete gehören heute zu Papua-Neuguinea. Mit der Zeit entwickelten sich dort immer größere Plantagen. Einheimische wurden für einen geringen Lohn ausgebeutet, um zum Beispiel Tabak und Baumwolle anzubauen.
Großflächige deutsche Kolonien gab es auch in Afrika:

  • Togo
  • Kamerun
  • Deutsch-Südwestafrika (Namibia)
  • Deutsch-Ostafrika (Tansania)
  • Wituland (Ort im heutigen Kenia)

Infolge der unnachsichtigen Behandlung der Deutschen gab es regelmäßig Ausschreitungen seitens der afrikanischen Ureinwohner. In „Deutsch-Südwestafrika“ kam es nach einem Aufstand der Hereros zum Genozid. Auf Anordnung des preußischen Oberbefehlshabers Lothar von Trotha wurden zehntausende Hereros ermordet.

Einfluss deutscher Kolonien

Mit dem Versailler Vertrag verlor das Deutsche Reich Regionen in Übersee. Die Nationalsozialisten gaben Bestrebungen nach deutschen Kolonien außerhalb Europas bald wieder auf. Doch bis heute sind die Folgen der Akkulturation in Deutsch-Südwestafrika wahrnehmbar. Trotz der relativ kurzen Existenz deutscher Kolonien kennen in Namibia etwa 22 Tausend Menschen Deutsch als Muttersprache.