Der Begriff Kolonialismus bezeichnet die Expansion europäischer Länder auf außereuropäische Gebiete mit dem Ziel der wirtschaftlichen Ausbeutung und Besetzung der kolonisierten Landen. Die Herrschaft über die Kolonisierten wurde dann von einer keinesfalls um Akkulturation bemühte Minderheit bestimmt, die man als Kolonialherren bezeichnet. Ganze Kulturen und Völker verpassten eigenständige Weiterentwicklungen, da die Politik und Kultur auf europäische Interessen umgepolt wurde.

Die Kolonialherren verfolgten meist wirtschaftliche Ziele im Interesse ihres Landes, vor allem seit der Industrialisierung, die in Europa im 19. Jahrhundert ihren Höhepunkt fand. Neben wirtschaftlichen und ausbeuterischen Zielen waren im Zeitalter der europäischen Entdeckungsfahrten auch missionarische und explorative Kolonialprojekte üblich.

Unterscheidung vom Imperialismus

Der Imperialismus beschreibt alle Aktivitäten und Eroberungen, die dem Aufbau internationaler Imperien dienten. So haben Kolonien im Imperialismus nicht nur wirtschaftliche, sondern auch machtpolitische Zwecke, während sie im Kolonialismus vor allem der wirtschaftlichen Ausbeutung dienten. Der Kolonialismus erfuhr jedoch seine Zuspitzung durch die Ideologie und Ausbreitung des Imperialismus.

Die Geschichte des Kolonialismus

Kompass und Kartografie ebneten dem Kolonialismus den Weg

Kompass und Kartografie ebneten dem Kolonialismus den Weg

Während es die Ideen der Weltentdeckung und der Kolonisation schon seit der Antike und dem alten Rom gab, bezeichnet der moderne Kolonialismus die europäische Expansion seit dem späten Mittelalter. Viele Veränderungen und Erfindungen ebneten damals den Weg für die vielfältigen Entdeckungsfahrten, mit denen der Kolonialismus seinen Anfang fand. Die islamische Eroberung Konstantinopels 1453, die Entstehung der Karavelle, die verbesserte Kartografie oder der Kompass. Viele Neuheiten eröffneten den Weg für die Entdeckungsfahrten des 15. und 16. Jahrhunderts, die mit der Entdeckung Amerikas 1492 oder der Fahrt nach Ost-Indien durch die neu entdeckte Route am Kap der Guten Hoffnung ihre Höhepunkte fanden. Portugal und Spanien waren so die ersten Kolonialmächte mit großen Kolonien in Südamerika, bevor sie auch in Asien Fuß fassten. Die Niederlande, Frankreich, Russland und das britische Empire schlossen sich der Kolonialbewegung an und standen sich im 7-jährigen Krieg oder dem Krim-Krieg immer wieder in Konflikten gegenüber.

Die wichtigsten Kolonialmächte

  • Portugal
  • Spanien
  • Frankreich
  • Vereinigtes Königreich
  • Niederlande
  • Dänemark
  • Deutsches Reich (19. Jahrhundert)
  • Italien (19. Jahrhundert)
  • Russland
  • Belgien(19. Jahrhundert)
  • USA

Der Wettlauf um Afrika

In der Zeit von 1870 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 fand der Kolonialismus in der Zeit des „Neuen Imperialismus“ einen neuen Höhepunkt. Diese Periode kennzeichnet nahezu eine Aufteilung der Kontinente mit künstlichen Grenzenschaffungen ohne Beteiligung oder Mitbestimmung der besetzten Völker, die von großen Konkurrenzkämpfen um die Kolonien begleitet war und in der sich die Ideologie der rassischen Überlegenheit verbreitete. Die Überzeugung der europäischen rassischen und kulturellen Höherwertigkeit und die angebliche afrikanische Unfähigkeit der Selbstverwaltung prägen den Kolonialismus des späten 20. Jahrhunderts. Das bis 1880 fast unbesetzte Afrika wurde als Hauptziel der Großmächte, zu denen nun auch die USA gehörte, auserkoren. Auch Deutschland beanspruchte trotz anfänglicher Zurückhaltung Bismarcks Kolonialbesitz, der von Rassismus, Völkermord und der Auslöschung von Kulturen gekennzeichnet war.

Das Ende des Kolonialismus

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurden fast alle Kolonien unabhängig. Der bekannteste Akt der Dekolonialisierung ist wohl die Unabhängigkeit Indiens. Trotz der formalen Unabhängigkeit blieben aufgrund der Zerstörung und der geschaffenen Strukturen wirtschaftliche und kulturelle Abhängigkeiten zu dem ehemaligen Kolonialstaat bestehen.

Ökonomische Motive des Kolonialismus

Die wirtschaftliche Ausbeutung im frühen Kolonialismus

Die ökonomischen Motive des Kolonialismus waren neben den politischen und sozialen Beweggründen seit je her ausschlaggebend für den europäischen und später des amerikanischen Kolonialismus. Die Gründe liegen dabei auf der Hand: das usurpierte Land kann für geringe Gegenleistungen ausgenommen werden, was sowohl Rohstoffe und Waren betrifft, als auch die – in der frühen bis mittleren Phase des Kolonialismus verbreiteten – Versklavung und den Handel von Menschen. Im Grunde hatte sich die Praxis des Kolonialismus seit der Antike bis zur Neuzeit nicht geändert, wobei es in der Geschichtsforschung sogar Positionen gibt, dass der antike römische Kolonialismus z.T. humaner verlief als der des modernen Abendlandes.

Die allmähliche Verbesserung der menschenrechtlichen und ökonomischen Bedingungen des Kolonialismus

Dies änderte sich erst als in der Zeit vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts allmählich die Universalisierung der Völker- und Menschenrechte umgesetzt wurde. Die Bedingungen des Kolonialismus verbesserten sich in dieser Zeit erst allmählich: der Sklavenhandel wurde nach und nach von den westlichen Ländern abgeschafft und die kolonisierten Völker erhielten zunehmend Rechte, die die ökonomischen Bedingungen verschoben und für beide Seiten verbesserten.
Auch die Ablösung des merkantilistischen Wirtschaftssystems zu Gunsten der industriellen Revolution und der freien Marktwirtschaft waren bedeutend für jene Entwicklungen. In einer kontinuierlichen Entwicklung wurde die Ausbeutung der Kolonien durch das freimarktwirtschaftliche Handeln abgelöst.

Aus den Kolonien wurden nicht nur Waren bezogen, sondern man entdeckte zunehmend, dass sich die Kolonien auch als Absatzmärkte für eigens hergestellte Waren und Rohstoffe eigneten. Auch stieg in dieser Zeit das Interesse von Unternehmern in die neuen Kolonien zu investieren, da in diesen ein niedrigeres Lohnniveau herrschte als in den westlichen Ländern.