Die Glaubenskontrahenten früherer Jahrhunderte lieferten sich erbitterte Kriege. Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Oder doch nicht?

 

Abrahamsreligionen

Spätestens seit dem 11. September 2001 sind Religionen in Europa wieder auf der Tagesordnung und es wurde mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Afghanistan gar von einem Kreuzzug gesprochen, obwohl es dabei primär nicht um Religion ging. Seit dieser durch geopolitische Interessen hervorgerufenen religiösen Krise führt jedes Land in Europa seine eigene Diskussion in Bezug zur Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Allerdings dreht sich die Diskussion im Grunde um nur drei Religionen: Christentum, Islam und Judentum, die alle auf Abraham zurückgehen. Mit Anhängern anderer Religionen wie z. B. dem Buddhismus, ist bislang kaum bis kein Konfliktpotential zu verzeichnen.

 

Toleranz gegenüber anderen Religionen

Toleranz gegenüber anderen Religionen

Schon Gotthold Ephraim Lessing hat sich im 18. Jahrhundert in seinem Drama „Nathan der Weise“ mit den drei Abrahamsreligionen befasst. Seine Ringparabel gilt als einer der Schlüsseltexte der Aufklärung und des Toleranzgedanken. Darin vermacht ein Vater seinen drei Söhnen jeweils einen identischen Ring als Symbol seiner Liebe. Auf die drei monotheistischen Religionen übertragen soll damit ausgedrückt werden, dass Gott keine der drei Glaubensrichtungen bevorzugt.

 

Jenseits dieser Einsicht birgt das alltägliche Zusammenleben dennoch nach wie vor genügend Konfliktpotential. Obwohl in Frankreich zum Beispiel die Trennung von Staat und Religion gesetzlich verankert ist, schützt dies nicht vor Konflikten, wie der Streit um das Tragen von Kopftüchern in staatlichen Einrichtungen zeigt. Doch wie weit kann Toleranz heute noch gehen, wo man vielerorts zu der Erkenntnis kommen musste, dass von Toleranz hauptsächlich diejenigen profitieren, die selbst keineswegs tolerant sind und keine Religionsfreiheit kennen? So ist es im Islam nicht erlaubt, die Religion zu wechseln, während man sich in Europa frei bekennen kann, an gar nichts zu glauben.

 

Jenseits der Toleranz

Gibt es jenseits der Toleranz Möglichkeiten, das Zusammenleben in gegenseitigem Verständnis zu gestalten? Eine Lösung kann nur aus einem gemeinsamen Nenner kommen, den es so oder ähnlich formuliert in allen Religionen gibt: Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu. So einfach und doch so klug.