Das Plusquamperfekt ist im deutschen Tempussystem die dritte Vergangenheitsform des Verbs. Wörtlich übersetzt bedeutet der lateinische Name „mehr als vollendet“.

Plusquamperfekt

Das Plusquamperfekt ist im deutschen Tempussystem die dritte Vergangenheitsform des Verbs.

Bildung

Das Plusquamperfekt wird wie auch das Perfekt mit Hilfe des Modalverbs „sein“ für Verben gebildet, die eine Ortsveränderung ausdrücken (Beispiele: gehen, schwimmen, fahren), und mit Hilfe von „haben“ für alle anderen Verben. Dazu kommt die Partizip Perfekt-Form des eigentlichen Verbs (Beispiele: gemacht, geredet, gesungen). Anders als im Perfekt steht das Modalverb nicht im Präsens, sondern im Imperfekt, also „war(-en/-t)“ oder „hatte(-n, -t). Für das Aktiv sieht die Konjugation des Plusquamperfekts also wie folgt aus:

Verben mit Direktionalität (also Richtung):

Singular:

  • ich war gefahren
  • du warst gefahren
  • er war gefahren

Plural:

  • wir waren gefahren
  • ihr wart gefahren
  • sie waren gefahren

Andere Verben:

Singular:

  • ich hatte gelacht
  • du hattest gelacht
  • er hatte gelacht

Plural:

  • wir hatten gelacht
  • ihr hattet gelacht
  • sie hatten gelacht

Im Passiv wird das Plusquamperfekt mit Hilfe von „war“ und „worden“ gebildet, die vor und nach dem Partizip Perfekt des Hauptverbs stehen. Dabei sieht das Konjugationsparadigma aus wie folgt:

Singular:

  • ich war gesehen worden
  • du warst gesehen worden
  • er war gesehen worden

Plural:

  • wir waren gesehen worden
  • ihr wart gesehen worden
  • sie waren gesehen worden

Verwendung

Im Deutschen benutzt man das Plusquamperfekt, wenn man sich auf ein Ereignis bezieht, das vor einem bereits in der Vergangenheit liegenden erzählten Ereignis liegt. Beispielsätze, auf die das zutrifft, wären etwa:

„Es klingelte kurz nachdem wir fertig gegessen hatten.“

„Den Nachmittag verbrachte ich in der Stadt. Am Vormittag war ich zu Hause gewesen.“

Das Plusquamperfekt in anderen Sprachen

Das Plusquamperfekt taucht in der Grammatik vieler indoeuropäischer und auch finnougrischer Sprachen auf. Im Englischen beispielsweise funktioniert das „past perfect“ heißende Tempus analog zum Deutschen, also: „The bell rang just after we had finished eating“ („we had finished“ drückt hier die Vorzeitigkeit aus). Das Schwedische (ebenfalls eine germanische Sprache) setzt die Form genauso zusammen: „vi hade slutat“. Das Finnische bildet das Plusquamperfekt nicht mit einem Partizip Perfekt (Passiv), sondern mit einem Partizip Perfekt Aktiv, das nicht übersetzbar ist. Wollte man „olin kävellyt“ („ich war gegangen“) wörtlich übersetzen, käme etwas wie „ich war gehend gewesen“ dabei heraus. Das Lateinische kommt Plusquamperfekt Aktiv im Gegensatz zu den bereits genannten Sprachen ganz ohne Modalverb aus („laudaveram“ – „ich hatte gelobt“).