„Was ist das für ein wortkarger Stoffel?“ So eine Bemerkung auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung kann jemanden sozial so ruinieren, dass er nie wieder zu einer Party oder einem gesellschaftlichen Ereignis eingeladen wird. Die Namen für jemanden der lakonisch wortkarg ist, sind Legion: Derjenige ist ein „komischer Vogel“, „ein komischer Kauz“ und ein „merkwürdiger Geselle“. Schon diese Ausdrucksweise verrät, dass diese charakterliche Eigenschaft der Wortkargheit als ungewöhnlich und wenig gesellig empfunden wird. Deshalb ist solch ein Typ Mensch eher mit Vorsicht zu genießen. Aber niemand hat sich die Mühe gemacht zu hinterfragen, warum jemand so wortkarg ist?

Lakonisch ist nicht gleich wortkarg

Lakonisch bezeichnet einen als typisch empfundenen Charakterzug der Spartaner, die auf dem Peloponnes wohnten und von Haus aus, wenig mitteilungsbedürftig gegenüber ihren Nachbarn waren. Das wenige, was sie sagten, hatte Inhalt und Gewicht. Damit war alles gesagt. Das war ein Wesenszug des Kriegervolkes der Spartaner, die es aufgrund der rauen Lebensbedingungen auch sich auf die Feinheiten einer gesellschaftlichen Konversation nicht verstanden.

Wortkarg aufgrund des Schicksals?

Nicht jeder, der wortkarg ist, ist gleich ein Spartaner oder auch lakonisch. Er ist eher spartanisch in seinem Mitteilungsbedürfnis gegenüber anderen. Bevor interessierte Kreise ihren Informationsdrang über für sie substanzielle Nebenkanäle aktivieren, wäre es wohl eher ein Akt menschlichen Takts und Feingefühl, mit demjenigen selber zu reden und ihn in Gespräche mit einzubinden. Sehr schnell löst sich dann das wortkarge Verhalten in Wohlgefallen auf, denn es war eher die persönliche Unsicherheit, die beobachten ließ und darauf hoffte, angesprochen zu werden. Doch das ist nicht die Stärke einer individualisierten Gesellschaft, wo es Nachhilfe auf allen Ebenen der Kommunikation bedarf. Mit der Zunahme der elektronischen Medien, „wo ständig geplappert wird“, weil das transportierende Medium einen gewissen Schutz und auch Privatsphäre garantiert, bekommt die persönliche Kommunikation einen neuen Stellenwert. Sich überlegt und präzise ausdrücken, ist eine seltene Gabe. Aber miteinander kommunizieren will gelernt sein. -Deshalb haben Kommunikationstrainer für die unterschiedlichsten Anforderungen vom privaten bis beruflichen Leben Hochkonjunktur.

Wer wortkarg ist, wird einsilbig!

Längst übernimmt die Technik einen großen Teil des Sprechens für uns: Wir werden immer wortkarger.

Längst übernimmt die Technik einen großen Teil des Sprechens für uns: Wir werden immer wortkarger.

Der durchschnittlich gebildete Erwachsene verfügt über einen aktiven Wortschatz von rund 3000 Wörtern. Seit vielen Jahren beobachten Germanisten, dass dieser Wert rapide sinkt und die Stärke, auf die sich frühere Generationen berufen haben, selbst in Bildungsanstalten wie dem Gymnasium und auch an den Universitäten rapide sinken. Wortgewandtheit und Ausdrucksform lassen stark nach. Es ist festzustellen, dass eine Einsilbigkeit im Ausdruck um sich greift, die zugleich auch voraussetzt, dass das Gegenüber schon weiß, was gemeint ist. Die Schwierigkeit ist, dass im Internet und bei der Mobilfunk-Kommunikation Zeichen und Symbole für uns sprechen. Es handelt sich um allgemein anerkannte Zeichensprache und Abkürzungen, die z.B. bei Handy-Nachrichten verwandt werden. Im alltäglichen Leben bleiben davon rudimentär Laute, die von einer damit nicht in Berührung gekommenen Bevölkerungsschicht als „Grunzen“ und als „Urlaute“ betitelt werden.