Trotz Schulpflicht sind auch in Deutschland Analphabetismus und dessen Folgen verhältnismäßig weit verbreitet. Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Formen des Analphabetismus.

Primäre Analphabeten können aufgrund mangelnder Schulbildung weder Schreiben noch Lesen, sekundäre Analphabeten haben das Lesen und Schreiben später wieder verlernt und funktionale Analphabeten sind zwar in der Lage, ihren Namen oder andere einzelne Wörter zu schreiben, können jedoch den Sinn eines Textes nicht erfassen. In Deutschland ist die funktionale Form am Weitesten verbreitet. Die Folgen des Analphabetismus sind gravierend für die Betroffenen.

Unter diesen Folgen leiden Analphabeten

Für Betroffene hat Analphabetismus vor allem gesellschaftliche Folgen.

Für Betroffene hat Analphabetismus vor allem gesellschaftliche Folgen.

In Deutschland wird wenig über das Thema informiert. Es gilt als selbstverständlich, dass man das Lesen und Schreiben beherrscht. Immerhin scheint es aufgrund der Schulpflicht unmöglich, nach rund zehn Jahren die Schule zu verlassen, ohne lesen und schreiben zu können. Für Betroffene hat dies vor allem gesellschaftliche Folgen. Analphabeten werden oft als ungebildet und dumm angesehen. Deshalb schämen sie sich für ihre Schwäche und versuchen ihr Leben lang, diese zu verschweigen. In der Tat sind Analphabeten in der Regel Meister darin, über ihre Schwäche hinwegzutäuschen. Ausreden zu erfinden gehört zu ihrem Alltag und Angehörigen fällt es oftmals jahrelang nicht auf, dass jemand nicht lesen und schreiben kann.

Durch den ständigen Druck, dass ihre Schwäche auffliegen könnte, sind die Folgen für Analphabeten vor allem psychische Probleme wie Depressionen. Außerdem sind sie ständig auf Hilfe Anderer angewiesen, wodurch das Selbstwertgefühl sinkt. Sie sind nicht in der Lage, Busfahrpläne zu lesen, Bankautomaten zu nutzen oder andere alltägliche Dinge zu erledigen. Etliche Analphabeten leiden unter einer Sozialen Phobie und meiden auch den Kontakt zu ihren Mitmenschen soweit wie möglich.
Beruflich haben Menschen, die weder lesen noch schreiben können, keine besonders große Chance, Fuß zu fassen. Stellenanzeigen zu lesen oder gar eine Bewerbung zu schreiben ist ihnen nicht möglich. Die Folgen dessen sind das Gefühl, versagt zu haben und die Angst, alleine nicht leben zu können.

Es gibt Hilfe für Analphabetismus

Der einzige Weg, die Folgen des Analphabetismus gänzlich loszuwerden, ist das Lesen und Schreiben zu lernen. Hierfür werden in den meisten Städten Kurse an den Volkshochschulen angeboten. Da sich Betroffene jedoch schämen und sich niemandem anvertrauen wollen, ist es schwierig für sie, einen solchen Kurs anzunehmen. Deshalb ist es essentiell, das Thema in Deutschland weiter zu verbreiten und Betroffenen das Gefühl zu geben, dass sie weder alleine sind, noch sich dafür schämen müssen. Erst wenn sie darüber sprechen, kann ihnen geholfen werden. Wer weiter verheimlicht, dass er nicht lesen und schreiben kann, wird niemals aus dem Teufelskreis des Problems und dessen unweigerliche Folgen ausbrechen können.