Von einer Behinderung spricht man in aller Regel dann, wenn der Betroffene in seinem alltäglichen Leben und verglichen an anderen Altersgenossen erheblich eingeschränkt ist. Es handelt sich zudem um eine starke und vor allem dauerhafte Einschränkung, die zu einem großen Teil durch ungünstige Umweltfaktoren entstanden sein kann und durch diese nicht selten in Wechselwirkung verschlimmert wird.

Eine geistige Behinderung ist in knapp 50% aller Fälle genetisch bedingt

Eine geistige Behinderung ist in knapp 50% aller Fälle genetisch bedingt

Während körperliche Behinderungen oft genetischer Natur sind, unfalls- oder krankheitsbedingt entstanden sind, ist die geistige Behinderung in knapp 50% aller Fälle genetisch bedingt und somit angeboren. Auch wenn viele Behinderungen angeboren sind, treten einige von ihnen erst in einer späteren Lebensphase in Erscheinung, was eine frühzeitige Diagnose häufig sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich gestaltet.

Formen geistiger Behinderung

Die geistige Behinderung wird oft nach ihren Ursachen klassifiziert. Aber auch die „Therapierbarkeit“ der Behinderung sorgt immer wieder für unterschiedliche Einstufung der Behinderungsschwere und der Heilungschancen. Besonders neurologisch bedingte Einschränkungen, die zum Beispiel durch einen Schlaganfall, andere Erkrankungen oder z.B. einen Unfall ausgelöst worden sind, haben häufig gute Therapieaussichten. Besonders junge Menschen können ihren alten, gesunden Zustand durch eine adaptierte Individualtherapie wieder herstellen und behalten keine oder nur wenige Spätschäden, die mit Einschränkungen im Alltag verbunden sind, zurück.

Auffälligkeiten kann Anhaltspunkt für eine Behinderung sein

Besonders Auffälligkeiten, die in den ersten Jahren einer Kindheit auftauchen, können einen Anhaltspunkt für eine geistige Einschränkung oder gar eine Behinderung darstellen. Bei derartigen Schlussfolgerungen bzw. Diagnosen ist jedoch Einfühlungsvermögen und Vorsicht geboten, da sie den Lebenslauf eines Menschen häufig nachhaltig beeinflussen können. Ein Beispiel ist zum Beispiel der Analphabetismus: Zwar kann der Analphabetismus die Folge einer geistigen Behinderung sein, im Umkehrschluss bedeutet aber nicht jeder Fall von Analphabetismus gleichzeitig eine geistige Behinderung. Auch andere Lernschwierigkeiten und Einschränkungen wie z.B. die Dyskalkulie wurden in der Vergangenheit immer wieder falsch bewertet und eingeordnet. Auch hier gilt: Eine Lernschwäche kann zwar der Hinweis auf eine schwerwiegende Einschränkung sein, muss es aber nicht zwangsläufig. Tests haben eindeutig gezeigt: Eine Lernschwäche ist zwar in der Mehrzahl aller Fälle genetisch bedingt, lässt aber keinerlei Rückschlüsse auf die Begabung und den Intelligenzquotienten einer Person zu. Spezialtests und –untersuchungen sind ini jedem einzelnen Fall unabdingbar für eine zuverlässige Diagnose.