Der Begriff der Lernbehinderung existiert seit den 1960er-Jahren. Unzählige Definitions- und Kategorisierungsversuche konnten bis heute kein allgemein gültiges Begriffsverständnis herbeiführen, was sicherlich auch darin begründet liegt, dass eine Vielzahl der Definitionsansätze die Lernbehinderung in einem rein schulischen Kontext des Lernens betrachtet, wodurch nur ein sehr schmaler Ausschnitt menschlichen Lernens erfasst wird.

Eine Lernbehinderung kann die gesamte Entwicklung negativ beeinflussen

Eine Lernbehinderung kann die gesamte Entwicklung negativ beeinflussen

Eine Lernbehinderung beeinträchtigt die gesamte intellektuelle Entwicklung. Das Lernen, im Sinne des Erfassens und der Anwendung von neuem Wissen, neuen Handlungen etc. ist stark eingeschränkt, was sich nicht nur in deutlich normabweichender Leistung sondern auch in normabweichendem Verhalten zeigt.

Grundsätzlich muss eine Abgrenzung zu (partiellen) Lernstörungen erfolgen. Lernstörungen sind weniger gravierend, zeigen sich z.B. in Teilleistungsstörungen wie Lese-Rechtschreib-Schwäche, Leserückstand oder einer Rechenstörung. Analphabetismus kann sowohl Folge einer Lernstörung als auch einer Lernbehinderung sein und ist als alleiniges Merkmal nicht sicher zuzuordnen.

Welche Ursachen hat eine Lernbehinderung?

Die Ursachen können biologisch oder psychosozial sein, meist liegen sie im organischen und neurologischen Bereich, d.h.

  • angeborene, genetische Faktoren
  • erworbene hirnorganische Schädigungen
  • pränatal: Infektionen, Stoffwechselstörungen oder Krankheiten während der Schwangerschaft
  • perinatal: Sauerstoffmangel oder Krämpfe während der Geburt, Früh- oder Zangengeburten
  • postnatal: Gehirnhaut- oder Gehirnentzündung, Krämpfe, Ernährungsstörungen, Vergiftungen oder chronische Krankheiten

Ursächlich oder verstärkend können sich auch psychosoziale Faktoren auswirken, z.B.

  • ungünstige soziale Bedingungen und soziale Beeinträchtigungen (Vernachlässigung, Sozialisationsmangel, Anregungsarmut)
  • individuell-psychologische Beeinträchtigungen: Reizarmut, fehlende Zuwendung und Mangelernährung wirken sich auf das physische Wachstum ebenso wie auf die kognitive Entwicklung und die Psyche des Kindes aus. Häufig bleibt die Ursache für eine Lernbehinderung unklar.

Welche Hilfen gibt es?

Wesentlicher als die Kenntnis der Ursache einer Lernbehinderung ist das frühzeitige Einsetzen einer gezielten (sonder-)pädagogischen Förderung. Noch heute werden viele betroffene Kinder als „Spätzünder“ verkannt, was regelhaft zu langen Leidenswegen führt, bevor eine angemessene und individuelle Förderung initiiert wird. Hier sind Eltern ebenso gefordert wie Kinderärzte, denn die Beobachtung der Entwicklung des Kindes im Vergleich mit Gleichaltrigen und die frühzeitige, zielgerichtete Förderung des Kindes bei erkannten Entwicklungsverzögerungen können dazu beitragen, die negativen Auswirkungen einer Lernbehinderung zu begrenzen.