Unter dem Begriff Analphabetismus werden Defizite beschrieben, welche durchwegs individuelle Defizite beim Lesen wie Schreiben aufzeigen, sodass es auch möglich ist, dass ein vollkommenes Unvermögen in dieser Richtung möglich ist.

Auch wenn viele Menschen der Ansicht sind, dass es beinahe keine Analphabeten gibt, so ist die Zahl dennoch beträchtlich. Denn allein im Jahr 2003 waren rund 862 Millionen Analphabeten. Rund 2 Millionen davon leben in Deutschland, was im Jahr 2011 einen Prozentsatz von 4 Prozent in Deutschland ausgemacht hat.

Verschiedene Arten des Analphabetismus

Analphabetismus beschreibt Defizite beim Lesen und Schreiben

Analphabetismus beschreibt Defizite beim Lesen und Schreiben

Es gibt jedoch verschiedene Arten, sodass in primären, sekundären wie Semianalphabetismus unterschieden wird. Bei der primären Art ist der Mensch nicht in der Lage zu schreiben und zu lesen, da er diese Fähigkeiten nie erworben bzw. gelernt hat. Diese Art tritt jedoch nur mehr in Entwicklungsländern auf. Bei dem sekundären Vorgehen, welche seit rund den 70er Jahren bekannt ist, wurde der Umgang mit der schriftlichen Sprache verlernt. Das bedeutet, dass zwar die grundlegenden Dinge erlernt wurden, jedoch durch Telefonmedien wie Bildschirmmedien der Analphabetismus eingesetzt hat. Beim Semianalphabetismus spricht man dann, wenn die Person lesen, jedoch nicht schreiben kann. Eine besondere Art ist auch die Tatsache, dass viele Menschen lesen, jedoch nicht verstehen, was sie gelesen haben bzw. auf Grund der Tatsache, soviel Wörter nicht zu gebrauchen bzw. zu kennen, Probleme haben, mit einer „normalen“ Sprache und somit oftmals auf eine „leichte“ Sprache bzw. Schrift angewiesen sind.

Sozial benachteiligt und als „dumm“ durch Analphabetismus abgestempelt

In der heutigen Zeit ist es beinahe unmöglich eine Arbeit zu finden, wenn man Analphabet ist. Da es jedoch immer wieder an der Person selbst liegt, so werden immer wieder Kurse angeboten, wo eventuelle Defizite behoben werden können. In der Gesellschaft werden Analphabeten oftmals als „dumm“ bezeichnet, was jedoch durchwegs nicht stimmt. Denn grundsätzlich kann es andere Gründe als die „Dummheit“ geben, weshalb der Mensch unter dem Begriff Analphabetismus leidet. Durchwegs treten jedoch soziale Beeinträchtigungen auf wie auch das Problem, dass Analphabeten nicht ernst genommen werden. In der Regel gibt es jedoch auch Analphabeten, welche sich schämen, dass sie weder schreiben noch lesen können und deswegen auch keine Kurse besuchen, um diese Fähigkeit zu erlernen.

Analphabetismus in Deutschland

Analphabetismus ist ein weltweites Problem und beschränkt sich nicht nur auf Afrika und Asien – auch Europa und andere Kontinente sind betroffen. So scheint es nahezu unglaublich, dass in Deutschland etliche Millionen Menschen trotz Schulpflicht und eines flächendeckend ausgebauten Schulsystems nur unzureichend lesen und schreiben können oder aber gar als Analphabeten die Schule nach etlichen Schulpflichtjahren verlassen. Wie ist das möglich?

Analphabetismus trotz Schulbesuch

Spätere Analphabeten gelten bereits in der Grundschule als schwierig. Sie verweigern früh die Mitarbeit, besuchen die Schule später nur noch sporadisch und kommen im Unterricht nicht gut mit. Viele dieser Kinder landen früher oder später auf Förderschulen, die sie schließlich mit unzureichenden Lese- und Rechtschreibkenntnissen verlassen. 2011 kam die Level-One Studie (auch Leo-Studie genannt), die die Literalität von Erwachsenen auf unteren Kompetenzniveaus untersuchte, für Deutschland zu folgendem Ergebnis:
7,5 Millionen Erwachsene können kaum oder nur sehr schlecht lesen und schreiben;
zwei Millionen können zwar einzelne Wörter lesen, aber keine Sätze;
300.000 Menschen sind nicht in der Lage, einzelne Wörter zu lesen.

Die Zahlen sind erschreckend und Experten sind sich einig, dass Analphabetismus nachhaltiger bekämpft werden muss. So förderte das Bundesbildungsministerium in den letzten fünf Jahren ein Forschungsprogramm zur Alphabetisierung Erwachsener, wovon auch die Leo-Studie finanziert wurde. Leider hat sich gezeigt, dass nur ein Bruchteil der Erwachsenen, die nicht richtig lesen und schreiben können, von angebotenen Hilfen und zusätzlichen Kursen Gebrauch macht. Umso wichtiger ist es, in den Schulen stärker als bisher Präventionsarbeit zu leisten, um Analphabetismus im Erwachsenenalter zu verhindern.

In der Grundschule lesen und schreiben lernen

Bereits in der Grundschule muss darauf geachtet werden, dass Dritt- und Viertklässler umfassende Grundkenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen erwerben, bevor sie die Schule verlassen. Denn es hat sich herausgestellt, dass Schüler, die nach vier Grundschuljahren nicht vernünftig lesen und schreiben können, es vielfach gar nicht mehr richtig lernen. Es klingt absurd und muss dennoch offenbar klargestellt werden: In der Grundschule müssen Kinder lesen und schreiben lernen! Dies kann nur gelingen, wenn lernschwache Kinder bereits vom ersten Schuljahr an besser gefördert werden, zum Beispiel in Kleinstgruppen – sowohl am Vormittag als auch am Nachmittag! Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf Kindern aus bildungsfernen Familien liegen, deren Eltern oft nicht in der Lage sind, Lerndefizite von Sohn oder Tochter zu erkennen und Wissenslücken zu schließen.