Was ist eine Allegorie und worin unterscheidet sie sich von anderen bildhaften Stilmitteln? Wer die Sinnbilder auseinanderhalten möchte, kann auf einige Schwierigkeiten stoßen. Ihre Grenzen sind nicht ganz eindeutig. Trotzdem: Die rhetorischen Mittel lassen sich klar benennen, wenn auch zum Teil in mehreren Arten. Allegorien gehören zu den Tropen. Der Begriff Tropus leitet sich aus dem Altgriechischen ab und bedeutet so viel wie Wendung. Ein Begriff oder eine Rede wird dabei meistens durch etwas Bildhaftes ersetzt.

Zu dieser Kategorie gehören beispielsweise:

  • Metaphern
  • Metonymien
  • Synekdochen
  • Personifikationen
  • Symbole

Die Unterscheidung der Sinnbilder

Die Bitte, Fortuna möge für ein Gutes Gelingen sorgen, ist heute meist eher eine Allegorie als ein tatsächliches Gebet.

Die Bitte, Fortuna möge für ein Gutes Gelingen sorgen, ist heute meist eher eine Allegorie als ein tatsächliches Gebet.

Wenn jemand darauf hofft, dass Fortuna ihm beisteht, nimmt er eine Allegorie zu Hilfe. Fragt er sich hingegen, ob es das Schicksal gut mit ihm meint, verwendet er die Personifikation. Das Schicksal ist im Grunde nur ein theoretischer Begriff. Dieser wird hier vermenschlicht, personifiziert. Fortuna als Schicksalsgöttin war in der Antike bekannt. Heute finden wir ihren Namen wieder in Büchern, hören ihn im Schulunterricht oder in der alltäglichen Konversation – meistens in Verbindung mit der Allegorie. Die Menschen verstehen ihre abstrakte Bedeutung. Darin liegt das besondere Merkmal des allegorischen Mittels. In der von Goethe und Meyer herausgegebenen Schrift „Über die Gegenstände der bildenden Kunst“ heißt es:
„[…] mögen sie sich ja hüten, die Allegorie zu verstecken. Sie muss klar, fasslich, reich an Gehalt sein und keine falsche Auslegung oder Zweideutigkeit zulassen“.

Metaphern dürfen im Gegensatz dazu durchaus mehrdeutig sein. Ein Spinnrad kann zum Beispiel als Begriff für eine Metapher verwendet werden, wenn vom Schicksal die Rede ist. Damit wird Bezug zu den antiken oder germanischen Schicksalsgöttinnen genommen. Mit der Benennung dieser Göttinnen ließe sich wiederum eine Allegorie herstellen.

Einige Beispiele

Die Tragödie „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal enthält Allegorien in Form von dramatischen Figuren, zum Beispiel den Tod. Jedermann selbst ist eine Allegorie für die Menschheit, ebenso wie das Stück selbst. Sie hängt jedoch nicht notwendigerweise mit einer figürlichen Darstellung zusammen. Der Film „Antichrist“ des dänischen Regisseurs Lars von Trier ist in vier Akte unterteilt: Trauer, Schmerz, Verzweiflung und Die drei Bettler. Anstelle von Figuren blendet von Trier die Namen der einzelnen Akte ein und füllt diese mit einer entsprechenden Fortsetzung der Geschichte. Als zeitgenössische Allegorien kennen wir den Sensenmann, den Fehlerteufel oder Justitia als Symbol für die Gerechtigkeit.