Gregor Johann Mendel wurde am 20. Juli 1822 in Heinzendorf, damals Österreichisch-Schlesien geboren und starb am 6. Januar 1884 in Brünn. Er studierte von 1840 bis 1843 am Philosophischen Institut der Universität Olmütz. Aber wegen „bitterer Nahrungssorgen“, wie er später selbst schrieb, fühlte er sich gezwungen, sein Studiun abzubrechen, um in der Augustiner-Abtei St. Thomas in Alt Brünn Mönch zu werden. Sein erster Vorname ist sein Ordensname Gregorius, den er bei dieser Gelegenheit erhalten hat.

Mendel

Seine Priesterweihe erhielt Mendel im Jahre 1847.

Im Klostergarten begann er sozusagen als Amateurforscher mit biologischen Untersuchungen. Dann studierte er nochmals von 1845 bis 1848 an der Brünner Theologischen Lehranstalt Theologie und Landwirtschaft. Seine Priesterweihe erhielt Mendel im Jahre 1847. Wegen seines auffallenden Hangs zur Wissenschaft gab man ihm sogleich am örtlichen Gymnasium eine Stelle als Hilfslehrer. Von 1851 bis 1853 studierte Mendel Experimantalphysik in Wien, und zwar bei keinem Geringeren als Christian Doppler, der als Entdecker des Doppler-Effekts ebenfalls Weltberühmtheit erfuhr. Parallel dazu studierte er auch noch die Physiologie der Pflanzen bei Franz Unger. Ca. ab 1856 startete Mendel mit seinen (berühmten) systematischen Kreuzungsversuche mit Erbsen, die ihn mit seinen mendelschen Regeln zum „Vater der Genetik“ machen sollten, und 1868 wurde er zum Abt der Abtei Alt Brünn gewählt. Schließlich erkrankte Mendel 1883 schwer an einem Nierenleiden (Wassersucht).

Über Mendels Werk

Das Besondere an seiner Arbeitsweise war, dass er zu den ersten Forschern gehörte, die auf der Basis großer Versuchsreihen statistische Betrachtungen in die Interpretation der Ergebnisse in großem Stil einfließen ließ. So zog er fast 13.000 Hybriden auf der Grundlage von 355 künstlichen Befruchtungen heran, wodurch er schließlich über die regelhafte Aufspaltung der Erbmerkmale gesicherte Erkenntnisse gewinnen und erfolgreich publizieren konnte. In der Zeit von 1856 bis 1863 kultivierte er ca. 28.000 Erbsenpflanzen. So konnte Mendel zwei allgemeine Gesetze der Vererbungslehre ableiten; sie sind noch heute bekannt als die Mendelschen Gesetze bzw. Regeln, die er 1866 als „Versuche über Pflanzenhybriden“ veröffentlichte. Im Übrigen gründete er 1862 den Naturforscher-Verein Brünn gemeinsam mit anderen befreundeten Naturforschern.

Vererbungslehre in der gesellschaftlichen Debatte

Es gab und gibt immer mal wieder Zyklen, in denen die gesellschaftspolitische Diskussion der Vererbungslehre erhöhte Aufmerksamkeit erfährt. Dabei stehen nicht nur die Mendelschen Gesetze im Fokus, sondern beispielsweise auch die Schriften von Lamarck(*), der auch einen Zusammenhang zwischen Erbgut und Verhalten sah. Auch die Gesetzgeber orientierten sich an diesen Theorien und manifestierten dies beispielsweise in den Bereichen Schulpolitk, Immigration oder beim Umgang mit Minderheiten. Es gab besonders in Großbritanien die so genannte Eugenik-Bewegung mit dem Ziel, dass die oben genannten Politikfelder vom Staat dominiert werden sollen. Auch in Australien oder Kanada standen über lange Zeit eugenische Gesichtspunkte im Vordergrund bei der Behandlung von Zuwanderern oder Menschen aus ethnischen Minderheiten.

Auch beim (heute überholten) Sozialdarwinismus werden Aspekte des Darwinismus auf Gesellschaften angewendet, in dem sogar auch die gesellschaftliche Entwicklung insgesamt als Folge der natürlichen Selektion wie beim Kampf ums Dasein aufgefasst wird. In Japan und Deutschland wurden diese Ideen besonders extrem ausgelegt und mündeten in rassistische Wahnvorstellungen wie Rassenhygiene und Blutreinheit. Der deutsche Nationalsozialismus rechtfertigte auf der Grundlage der Rassenhygiene Massenmorde an als „lebensunwert“ abgestempelten Menschen. In den Konzentrationslagern wurden massenhaft grausamste Versuche an Menschen durchgeführt. Es ist daher sehr verständlich, dass diese mit Schuld besudelten Begriffe wie Eugenik im modernen Deutschland keinen Platz mehr haben.

(*) Jean-Baptiste Pierre Antoine de Monet, Chevalier de Lamarck wurde am 1. August 1744 in Bazentin-le-Petit an der Somme geboren und verstarb am 18. Dezember 1829 in Paris. Er war ein französischer Zoologe und Botaniker und gilt als der Begründer der modernen Zoologie der wirbellosen Tiere. So war er es auch, der überhaupt den Begriff Biologie und eine erste Evolutionstheorie prägte. Darin formulierte er ein Hauptprinzip zur gerichteten Höherentwicklung im Nachgang einer Urzeugung der Organismen. So entstanden nach seiner Auffassung die einzelnen Klassen. Ein Nebenprinzip sah er darin, dass parallel dazu auch noch die erworbenen Eigenschaften weiter vererbt werden, was im Ergebnis die Artenvielfalt erklärte (Lamarckismus).