Der Sozialdarwinismus ist eine aus politischen Strömungen entstandene sozialwissenschaftliche Theorie, die den darwinistischen Aspekt der natürlichen Auslese auf eine soziologische Ebene überträgt. Dies bedeutet eine Verlagerung von Darwins Theorie über die reine biologische Evolutionsgeschichte auf die menschliche Gesellschaft.

Der biologische Darwinismus

Nach Charles Darwin stammen alle Lebewesen von einer Urform ab. Mittels der Durchsetzung von Veränderungen des Genmaterials entstand im Laufe der Zeit eine Vielzahl an Lebewesen. Darwin zufolge sind alle vorhandenen Lebensformen entstanden, weil sie ein Genmaterial aufweisen, das sie überlebensfähig macht, wobei er davon ausging, dass sich diese Überlebensfähigkeit aus der genetischen Übertragung der Stärkeren an ihre Nachkommen herausbildete, d. h. die stärksten Gene lassen eine Lebensform überleben. Alle anderen werden durch die natürliche Auslese ausselektiert. Als Vorbild nahm Darwin die Dokumentationen der Versuchsreihen von Gregor Johann Mendel, in denen sich die Veränderung genetischen Materials abzeichnet. Darwins Theorie unterscheidet sich von der von Jean-Baptiste de Lamarck, der keinen gemeinsamen Ursprung aller Lebewesen, sondern einen linienartig unterschiedlichen Ursprungsweg jeder Spezies sah.

Unterschiede zum Sozialdarwinismus

Der Kernaspekt, nämlich die Tatsache, dass es gute und schlechte Gene gibt, wurde beibehalten. Während nach dem biologischen Darwinismus in der Natur durch die Selektion die genetisch nachteilhaft ausgestatteten Lebewesen aussortiert werden, muss dem Sozialdarwinismus zufolge in einer Gesellschaft die Verbreitung schlechten Genmaterials verhindert, die guten Genmaterials gefördert werden, um eine Degeneration der menschlichen Gesellschaft abzuwenden.

Eugenik, Rassismus und Nationalsozialismus

Die Abwendung der gesellschaftlichen Degeneration, d. h. die Verhinderung der Verbreitung schlechten Genmaterials wird als praktische Eugenik bezeichnet. Theoretisch ist die Eugenik in der Übertragung der Evoltutionstheorie Darwins auf gesellschaftliche Prinzipien und die damit verbundene wissenschaftliche Rechtfertigung einer praktisch auszuübenen Eugenik. Die neutrale Eugenik sollte dabei vom Rassismus abgegrenzt werden, denn sie sieht das äußerlich Fremde (z. B. eine andere Hautfarbe) von Menschen nicht als genetischen Defekt an, sondern sieht diesen nur in den tatsächlichen erbtechnischen Schwächen wie z. B. Down-Syndrom. Diese Schwächen wirken sich nach theoretischen Eugenikern negativ auf die menschliche Gesellschaft aus, weswegen ihre Verbreitung verhindert werden müsse, womit sich hierbei die Eugenik mit dem Sozialdarwinismus verbunden sieht.

Sozialdarwinismus im Hitlers Mein Kampf

Hitlers Mein Kampf tauchte der Terminus „Sozialdarwinismus“ auf.

Ebenso ist eine Verbindung zwischen Rassismus, Eugenik und Sozialdarwinismus erkennbar, wenn dabei in Betracht gezogen wird, dass die Fremdartigkeit von Menschen als eine genetische Schwäche bezeichnet wird, die gesellschaftlich nachteilige Auswirkungen hat und deswegen nicht weiter verbreitet werden darf. Den Gipfelpunkt aber erreicht der Rassismus als eugnischer Sozialdarwinismus im Nationalsozialismus, in dem eine praktische Form der Eugenik durchgeführt wurde z. B. durch Zwangsterilisation und Vernichtung von Menschen, deren Fremdartigkeit als genetische Schwäche vermutet wurde. Der Sozialdarwinismus gab hierbei das wissenschaftliche Fundament vor und die Eugenik diente dazu, die nationalsozialistische Gesellschaftsvorstellung umzusetzen. Schon in Hitlers Mein Kampf tauchte der Terminus „Sozialdarwinismus“ auf. Häufig wird er als politischer Vorwand angesehen, die Wertvorstellungen des Rassismus zu rechtfertigen.