Die Bezeichnung Oligarch entstammt dem Griechischen und setzt sich aus den Wörtern oligoi (Wenige) und archon (Herrscher) zusammen. Die Wortbedeutung von Oligarch erklärt damit schon, dass ein Oligarch einer von wenigen Herrschenden über einen Staat oder Land ist. Die Macht dafür erlangt er meistens durch ein sehr großes Vermögen.

Oligarchie in der Antike

Der Begriff des Oligarchen wird erstmals in der griechischen Antike von Platon verwendet, um eine Entartung der Aristokratie zu beschreiben. Denn während die Aristokratie zwar auch eine Herrschaft von Wenigen über Viele ist, handeln Aristokraten im Sinne des Gemeinwohls. In einer Oligarchie hingegen wird Herrschaft, welche besonders durch materielle Güter fundiert ist, zur eigenen Bereicherung genutzt. Wenn die Herrschaft der Wenigen einzig auf dem vorhandenen Vermögen beruht, dann redet man von einer Plutokratie, einer Unterform der Oligarchie. Die staatliche Verwaltung und sämtliche Ämter sind in einer Plutokratie einzig vermögenden Menschen vorbehalten. Es besteht in einer Plutokratie kaum soziale Mobilität, also wenig Möglichkeiten, seinen sozialen Status und somit seine Lebensbedingungen zu ändern.

Oligarchie ab dem 19. Jahrhundert

John D. Rockefeller gilt als einer der Oligarchen Amerikas.

John D. Rockefeller gilt als einer der Oligarchen Amerikas.

Der Begriff Oligarch ist seit jeher negativ konnotiert und bezeichnet immer das Beugen des Gemeinwohls zum Erreichen der eigenen Ziele. So wurden beispielsweise in den USA ungefähr 2000 Menschen, die sich durch wirtschaftlichen Aufschwung bedingt eine Reputation aufgebaut hatten und diese nutzten, um für sich und ihre Umgebung eigene Regeln geltend zu machen, zeitweise Oligarchen genannt. Dies geschah besonders zur Goldgräberzeit im Westen der USA und Alaska.
Oft wird ‚Oligarch‘ aber auch synonym für Magnat oder Tycoon verwendet. Hier ist an die Öl-Oligarchie in der arabischen Welt zu denken. Mit dem Aufkommen des Marxismus‘ im 19. Jahrhundert, wurde auch die Theorie einer finanziellen Oligarchie populär. Dieser Theorie zufolge ermögliche es der Kapitalismus, dass einige wenige Herrschaft über die Wirtschaft und damit das Gemeinwohl der Mehrheit hätten. Und diese Macht würde durch Grundbesitz und Vermögen fundiert und in Familiendynastien weitergereicht. Als Beispiele für diese Theorien wurden Familien wie die Rockefellers und Du Ponts in den USA, aber auch die Rothschilds (England) und Peugeots (Frankreich) aufgeführt.

Oligarchie am Ende des 20./Beginn des 21. Jahrhunderts

Noch heute werden aber vor allem in Bezug auf russische oder ukrainische Wirtschaftsverhältnisse Menschen als Oligarchen bezeichnet. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der beginnenden Marktliberalisierung unter Gorbatschow, gelang es einigen Menschen der ehemaligen UdSSR in den 1990er Jahren, große Vermögen anzuhäufen und extrem reich zu werden. Sie nutzten ihre Vermögen, um sich wichtige Organe der freien Presse und der Medien sowie der Banken einzuverleiben und zu kontrollieren. Damit gewannen sie erheblichen politischen Einfluss. So ermöglichte beispielsweise erst die finanzielle und mediale Unterstützung von Oligarchen die Wiederwahl Jelzins zum Präsidenten Russlands 1996. Unter Wladimir Putin wurden allerdings viele Oligarchen in ihrer politischen Macht beschnitten. Oligarchen, die Putin kritisierten, wurden oft mundtot gemacht, Scheinprozessen ausgeliefert oder suchten freiwillig das Exil. Ein berühmter Fall dafür ist Michail Borissowitsch Chodorkowski, ehemaliger Vorsitzender des Ölkonzerns Yukos, der wegen Steuerhinterziehung und Betrug seit 2003 eine neunjährige Haftstraße verbüßt. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Politikwissenschaftler gehen hier aber von einer politisch motivierten Verurteilung aus. Wladimir Putin selbst weist jede Behauptung, er sei der reichste Mann und größte Oligarch Russlands, von sich.