Der Begriff Tycoon taucht immer einmal wieder im allgemeinen Sprachgebrauch oder in Texten auf, doch wie bei vielen anderen Begriffen auch bleibt die wahre Bedeutung sowie die richtige Verwendung des Wortes im Vagen.

Die Herkunft des Wortes Tycoon

Die ursprüngliche Form des heutigen Tycoon ist das japanische Wort Taikun, welches übersetzt in etwa der Bezeichnung „Großer Herrscher“ oder „Großer Gebieter“ entspricht. Dieser Begriff Taikun wurde als Titel oder nähere Beschreibung für den Shogun in der Endo-Zeit gegenüber Fremden – beziehungsweise Ausländern – verwendet, um ihnen die Herrschaftsstellung des Shoguns zu verdeutlichen.

Durch die amerikanisch-japanische Handlungsbeziehungen Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte schlussendlich das Wort Taikun, anglisiert Tycoon, in den englischen Sprachgebrauch, später dadurch ebenfalls in den deutschen, und hielt sich bis zur heutigen Zeit, vor allem in großunternehmerischen Kreisen.

Die Charakterisierung

Als Tycoon wird oft ein Unternehmer beschrieben, der über ein großes wirtschaftliches Imperium herrscht.

Als Tycoon wird oft ein Unternehmer beschrieben, der über ein großes wirtschaftliches Imperium herrscht.

Doch obwohl diese Koketterie mit dem Term zuerst nur unter den Unternehmern selbst zu finden war, griff man auch bald im allgemeinen Sprachgebrauch auf den Tycoon zur Beschreibung eines Großunternehmers, der als Besitzer eines Wirtschaftsimperiums auftrat, zurück. Denn da jener Eigentümer, der als Tycoon bezeichnet wird, meist über eine Vielzahl von Unternehmen verfügt, deren jeweilige Leitung er an seine Geschäftsführer delegiert, ähnlich wie der japanische Herrscher in der Endo-Zeit die Verwaltung des Landes durch seine verschiedenen Kanzler bewerkstelligen ließ, funktioniert dieser Vergleich und das daraus resultierende Bild vom wirtschaftlichen Herrscher fast automatisch und intuitiv.

Jedoch nicht immer gleichen sich die Imperien der Tycoons. Bei einem Medien-Tycoon, der durch den Besitz von mehreren Verlagen und Sendern, die sich durch ihre gemeinsame Aufgabe Information zu verbreiten zu einem Ganzem zusammen fügen, offensichtlich über ein Imperium verfügt, liegt Assoziation mit einem feudalen Herrscher noch nahe. Und  auch bei einem Besitzer von mehreren ähnlichen Betrieben (zum Beispiel Hotels, Supermärkten, Casinos, Autofabriken, etc.) oder einer Kette dieser Betriebe greift das Bild noch. Bei der Betitelung von Inhabern eines Monopols oder einer Firma mit marktführender Position (zum Beispiel Software) als Tycoon, hinkt der Vergleich allerdings ein wenig und bezieht sich wahrscheinlich hauptsächlich auf den Herrschaftscharakter des Besitzers.

Die Schwammigkeit des Begriffs

Anspielungen an und Vergleiche mit Begriffen aus der Aristokratie oder bestimmten Herrschaftsformen werden häufig im Zusammenhang mit der Wirtschaft verwendet, denn auch Synonyme für Tycoon, wie Magnat oder Oligarch, sind aus dem geschichtlichen Sprachgebrauch entliehen, wobei ersterer einen Angehörigen des Hochadels oder einen Großgrundbesitzer bezeichnet und letzterer, abgeleitet von Oligarchie (Herrschaft von einigen wenigen), einen Herrschenden beschreibt, der meist durch materiellen Reichtum privilegiert ist zu herrschen.

Natürlich erweckt diese vermehrte Entlehnung von Begriffen, die Teile von meist feudal-strukturierten Organisationen beschreiben, den Eindruck, dass diese Vergleiche gezogen werden, um ein Bild zu bedienen, welches es einfach macht, bestimmte Strukturen im Wirtschaftswesen prägnant und intuitiv darzustellen und verständlich zu machen.

Allerdings werden diese Begriffe auch oft gewählt, um einflussreiche oder anscheinend einflussreiche Personen der Wirtschaft in ein negatives Licht und in die Nähe von archaischen oder veralteten Strukturen zu rücken. Diese Unklarheit des Verwendungszwecks macht es schwer, festzustellen, ob es sich um einen neutralen oder einen negativ behafteten Begriff handelt