Eines hat die Rechtschreibreform gebracht: eine Erleichterung für die Komma-Faulen, für diejenigen, die nach dem Text verwundert feststellen, nicht ein Komma gesetzt zu haben. Vielleicht gehen sie den Text dann noch einmal durch und tragen mit gleichmäßiger Streuung einige dieser Strichpunkte nach – vielleicht.

Es gibt sie noch: die Ausnahmeregeln der Interpunktion

Also reden wir von denen, die stets darum bemüht sind, einen perfekten Text zu schreiben, was Orthografie und Interpunktion betrifft. Vieles ist nach der Reform zu einem Kann-muss-aber-nicht geworden. Doch neben festen Regeln gibt es immer noch Ausnahmeregeln bei der Interpunktion:

  • Ausnahmeregeln Interpunktion 1: Komma vor „und“ in Aufzählungen:
    Ein Komma wird immer dann gesetzt, wenn es vor einem Einschub, einem Nebensatz oder einer Infinitivgruppe steht. Zum Beispiel: Marly, unser Pudel, und Nachbars Dackel“. Das sind eindeutig zwei Tiere. „Marly, unser Pudel und Nachbars Dackel“, nun sind es plötzlich drei Tiere in der Aufzählung.
  • Ausnahmeregeln Interpunktion 2: Bei einem Infinitiv mit „zu“ ist ein Komma zu setzen.
    Zum Beispiel: „Ich freue mich, Dich endlich mal wieder zu sehen.“
    Ausnahme: Bildet der Infinitiv mit „sein, haben, werden“ ein Prädikat, wird kein Komma gesetzt: „Ich werde lange daran zu knabbern haben.“
    Kein Komma wird gesetzt, wenn der Infinitiv abhängig von den Verben „brauchen, pflegen oder scheinen“ verwendet wird. Zum Beispiel: „Sie braucht sich um meine Angelegenheiten nicht zu kümmern.“
  • Ausnahmeregeln Interpunktion 3: Apostrophe werden beim Eigennamen-Genitiv nicht gesetzt.
    Richtig heißt es: „Erwins Auto“.
    Die Ausnahme: Bei Namen, die auf „s“ enden (oder ss, ß, ce, x, z), wird das Genitiv-S sinnvollerweise weggelassen und daher mit dem Apostroph, dem Auslassungszeichen, versehen. Zum Beispiel: „Klaus‘ Auto, Beatrix‘ Fehler, Chemnitz‘ Straßen“.
    Eine weitere Ausnahme, der Werbe-Apostroph, zum Beispiel auf Ladenschildern: „Berta’s Cafe – Gernot’s Bücherladen – Andrea’s Schuhladen.“ Im letzten Fall sogar wichtig, um zu zeigen, dass Andreas nichts mit dem Schuhladen zu tun hat.

Die Ausnahmeregeln der Interpunktion …

… sind hier nicht alle erwähnt, dennoch sind die Ausnahmeregeln in der Interpunktion eindeutig weniger geworden. Die starren Grundregeln für die Interpunktion haben sich gelockert. Je nach Gefühl lässt man lieber einmal mehr ein Komma weg, als es an ungeeigneter Stelle und zu häufig zu setzen. Also gilt es, sich die wenigen wichtigen Ausnahmeregeln in der Interpunktion zu merken oder zu vermerken.