Das Wort Rhetorik kommt aus dem altgriechischen und bedeutet Redekunst. Die Kunst der guten Rede hat ihren Ursprung in der Antike. Sinn einer guten Rede ist es, den Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen. Die Rhetorik stellt hierzu die nötigen sprachlichen Mittel zur Verfügung. Im Mittelalter wurde die Rhetorik neben der Logik und der Grammatik in den Universitäten gelehrt. Zur Zeit der Aufklärung spielte die Redekunst eine weniger wichtige Rolle, da das Hauptaugenmerk auf rationalen Erkenntnissen lag. Seitdem ist mit Rhetorik weniger die Kunst einer schönen Rede, sondern mehr die Redetechnik und Textanalyse gemeint.

Antike

Vor allem in den antiken griechischen Stadtstaaten hatte die Redekunst eine große Bedeutung. Alle männlichen Bürger durften an politischen und rechtlichen Entscheidungen mitwirken und hatten deswegen Interesse an der Kunst eine überzeugende öffentliche Rede zu halten. Die meisten Bürger konnten solche Reden aber nicht selbst halten, sondern nahmen die Hilfe von Redelehrern in Anspruch, welche Reden als Auftragswerke vorformulierten. Im 5.Jahrhundert vor Christus wurden die ersten rhetorischen Lehrbücher geschrieben. Diese enthielten ausführliche Anleitungen, wie eine gute Rede angefertigt werden muss. Aristoteles widmete sich in seinem Werk „Rhetorik“ ausführlich der Redekunst. Er erkannte dabei schon, wovon die Überzeugungskraft einer Rede abhängt, nämlich von der Glaubwürdigkeit des Redners, dem Gefühlszustand des Zuhörers und den vorgebrachten Argumenten.

Cicero

Bedeutende Rhetoriker dieser Zeit waren Cicero und Tacitus.

Römerzeit

Auch im alten Rom spielte der Rhetorikunterricht eine bedeutende Rolle. Bedeutende Rhetoriker dieser Zeit waren Cicero und Tacitus. In der römischen Zeit verlor die Redekunst aber ihre Bedeutung für das tägliche Leben und wurde mehr zur Grundlage der Literaturproduktion. Am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus wird Quintilian zum ersten Professor für Rhetorik berufen. Die wichtigsten Werke der römischen Rhetoriker wurden später Grundlage des Rhetorikunterrichts an den mittelalterlichen Universitäten.

Neuzeit

In der frühen Neuzeit, dem 16. bis 18. Jahrhundert, war die Lehre von der guten Rede vor allem als Grundlage von Literatur und Poetik wichtig. Am Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Abwertung der Redekunst. In dieser Zeit war man der Auffassung, dass Reden überzeugen sollten, weil sie aus der Seele kommen und nicht weil bestimmte sprachliche Techniken klug angewandt wurden. Daraufhin verschwand im 19. Jahrhundert die Redekunst fast vollständig aus den Lehrplänen der Schulen und Universitäten. Einer der größten Gegner der Lehre von der Redekunst war Goethe. Auch Immanuel Kant konnte der Redekunst nichts Gutes abgewinnen. In Frankreich und England ging die Entwicklund in eine andere Richtung. Die französische Revolution und die Entstehung von Parlamenten brachten der Rhetorik dort einen erneuten Aufschwung.

Heute

Im 20. Jahrhundert erfolgte im deutschsprachigen Raum die langsame Wiederentdeckung der Redekunst. Allerdings wird bis heute nur an einer einzigen deutschen Universität in Tübingen Rhetorik als eigenes Fach gelehrt. Vor allem als Gebrauchsrhetorik im Managementbereich erlebt die Redekunst ihre Wiedergeburt.

Wichtige Stilmittel

Der Einsatz bestimmter Stilmittel soll eine Rede noch überzeugender machen. Ein wichtiges Mittel ist die Hyperbel, womit die Übertreibung über das Glaubwürdige hinaus gemeint ist. Ein anderes wichtiges Mittel ist die Parabel. Hierbei handelt es sich um eine gleichnishafte kurze Erzählung, mit der eine moralische Lehre vermittelt wird. Ein drittes Stilmittel ist die Anapher. Damit wird die Wiederholung von Wörtern oder Wortgruppen am Anfang von aufeinanderfolgenden Sätzen oder Versen bezeichnet.