Die Parabel ist eines der Stilmittel in der Rhetorik und beschreibt ein Gleichnis. Die Rhetorik, als Lehre der Argumentation, verweist auf das Einbinden von Parabeln in eine Argumentationskette, da so kritische Aspekte nicht vorgetragen werden müssen, sondern es dem Hörer erlauben diese durch Reflexion zu erkennen. Anhand einiger Merkmale lassen sich Parabeln deutlich erkennen und abgrenzen.

Die Parabel

  • erzählt von Menschen und deren Erlebnissen, nicht zu verwechseln mit Fabeln, in denen Tiere zum Symbolträger menschlichen Charakters werden
  • hat einen berichtenden Charakter, die Erzählstruktur ist flach und es gibt nur einen Handlungsstrang
  • soll zum Nachdenken anregen, indem Inhalte auf reale subjektive Begebenheiten projektierbar sind. (Die Fabel, zur Abgrenzung, übt lediglich eine Kritik, in dem sie Missstände aufzeigt.)
  • thematisiert vordergründig ethnische, religiöse, sittliche oder soziale Verhaltensweisen, statt machtpolitischen Verhältnissen oder Ungerechtigkeiten, wie in Fabeln
  • besitzt in der Regel keine eigene epische Form, sondern ist als Gleichnis in epische, pragmatische oder dramatische Formen eingebettet
  • ist in der Erzählstruktur verkürzt, prägnant und bildhaft
  • ist wertfrei und offen
  • zielt auf eine eigens animierte Reflexion des Verhaltens ab und auf daraus zu schließende Lehrschlüsse. Somit ist die Parabel eine Lehrdichtung.

Praxisbeispiel Parabel

Das parabolische Gleichnis findet sich bereits im Neuen Testament. Erstaunlicherweise beinhaltet die Bibel, eines der ältesten Bücher der Welt, eine Vielzahl rhetorischer Mittel. Neben Gleichnissen und Allegorien, auch die Parabel. Die Bekannteste unter ihnen ist sicher das „Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg“.

Jesus von Nazareth erzählt in dieser Parabel von einem Hausherren, der Arbeiter zur Bestellung seiner Weinberge einstellt. Mit jedem Arbeiter vereinbart er einen Lohn von 1 Denar. Am Morgen des Tages stellt er einen Arbeiter ein. Drei Stunden später einen Weiteren und wieder drei Stunden darauf noch einen, dem nach 3 Stunden ein vierter Arbeiter folgt. Nach 11 Stunden, 1 Stunde vor dem Ende des Arbeitstages, stellt er einen fünften Arbeiter ein. Zum Ende des Tages zahlt er sie aus. Der fünfte Arbeiter erhält für eine Stunde geleisteter Arbeit den vereinbarten Lohn von einem Denar. Jeder weitere Arbeiter, unabhängig von seiner Arbeitszeit, erhält ebenfalls einen Denar, wie es vereinbart war.

Auch im Neuen Testament der Bibel finden sich Parabeln.

Auch im Neuen Testament der Bibel finden sich Parabeln.

Daraufhin beharren die restlichen Arbeiter auf eine größere Summe Lohn, da sie mehr Stunden als der Fünfte gearbeitet haben. Der Hausherr jedoch weist sie verärgert ab. Schließlich haben sie sich alle auf den Tageslohn von einem Denar geeinigt, der ihnen ausgezahlt wurde.

An diesem Beispiel aus der Bibel, Mt 20,1-16, lässt sich das Stilmittel des parabolischen Gleichnisses sehr gut identifizieren.
Das Ende bleibt offen und ohne Stellungnahme zum Verhalten des Hausherren oder der Arbeiter. Es liegt am Leser das Gleichnis zu deuten. Die Parabel an sich dient stets der Belehrung, somit sind mögliche Schlüsse individuell richtig, solange ein moralischer Wert zugrunde liegt. In diesem Fall kann der Hausherr, als Allegorie, für Gott stehen. Mögliche didaktische Deutungen wären hier:

  • Gott liebt alle Menschen gleich, unabhängig davon, wann sie beginnen zu glauben.
  • Die Arbeiter sind von Neid getrieben und handeln nicht aus Nächstenliebe. Sie empfinden etwas Vereinbartes als ungerecht und werden selbst zu Ungerechten.
  • Gott vergibt den Sündern. Die Frommen und Guten bekommen ihren Lohn, aber auch die die sich erst später zu Gott bekennen werden gerecht entlohnt.

Zu den rhetorischen Stilmitteln zählen zudem noch die Anapher und die Hyberbel.