Unter einer Anapher versteht man eine Satzanfangswiederholung, bei der Worte oder Wortgruppen am Beginn eines Satzes oder Verses wiederholt werden. Fließtexte und Gedichte können so strukturiert oder rhythmisiert werden. Häufig findet man Anaphern in Ansprachen und Reden. Politiker nutzen diese rhetorische Figur sehr gerne, um ihre Botschaft zu untermauern, wie beispielsweise: „Immer mehr Jugendliche finden nach der Ausbildung keinen regulären Job. Immer mehr Menschen arbeiten für Niedriglöhne. Immer mehr Menschen müssen ihre Löhne durch Hartz IV aufstocken. Immer mehr Menschen bekommen nur befristete Arbeitsverträge.“ (Peer Steinbrück im Wahljahr 2013)

Wann verwendet man Anaphern?

Die Anapher dient dazu, eine bestimmte Aussage des Textes zu verstärken, in dem ein bestimmtes Wort oder eine Wortgruppe durch die Wiederholung betont wird. Dabei gilt das ungeschriebene Gesetz, dass maximal drei Wiederholungen des Wortes oder Wortpaares hintereinander folgen sollten.
Insbesondere in poetischen Werken ist die deutsche Sprache in der Wortstellung relativ frei. Folgende Beispiele zeigen Anaphern in Gedichten auf:

„Beinchen“

Unter einer Anapher versteht man eine Satzanfangswiederholung, bei der Worte oder Wortgruppen am Beginn eines Satzes oder Verses wiederholt werden.

Unter einer Anapher versteht man eine Satzanfangswiederholung, bei der Worte oder Wortgruppen am Beginn eines Satzes oder Verses wiederholt werden.

Beinchen wollen stehen.
Beinchen wollen gehen,
Sich im Tanze drehen.
Beinchen wollen ruhn.
Beinchen wollen spreizen,
Wollen ihren Reizen
Jegliche Gelegenheit
Geben. Haben jederzeit
Muskulös zu tun.

Beine dick und so und so,
Beine dünn wie Stange.
Alle Beine sind doch froh.

Arme, arme Schlange!
(Joachim Ringelnatz)

Oder aus dem „Erlkönig“:

»Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.«
(Johann Wolfgang von Goethe)

Auch in der Werbung sind Anaphern als Stilmittel sehr beliebt. 1951 warb Bosch in Deutschland mit dem Slogan „Bosch im Auto, Bosch im Haus – Frohe Häuslichkeit“ und Sat.1 verkündete 1995 „Volle Stunde. Volles Programm.“

Andere Stilmittel

Das Wort Anapher ist aus dem Griechischen Anaphora abgeleitet und bedeutet so viel wie Rückbezug oder Wiederaufnahme. Ein ähnliches Stilmittel, das mit der Anapher häufig verwechselt wird, ist die Epipher. Hier steht die Wortwiederholung am Ende des Satzes. Eine andere Möglichkeit der Wiederholung ist die Akkumulation, der Anhäufung ähnlicher Worte oder Satzteile. Die Alliteration dagegen ist eine Klangfigur, bei der dich Anfangsbuchstaben oder Silben der aufeinanderfolgenden Worte gleichen, wie etwa bei „Sonne, Sommer, Sonnenschein“ oder „Mit Mann und Maus“. Das ebenfalls sehr beliebte Stilmittel der Metapher ist ein Sprachbild und stellt einen übertragenen Sinn dar. Viele Redewendungen wie „Schnee von gestern“ oder „grünes Licht geben“ sind Metaphern.
Rhetorische Figuren werden eingesetzt, um beim Zuhörer oder Leser Aufmerksamkeit zu erzeugen oder eine Stimmung zu bewirken.