Kyrill von Saloniki und sein Bruder Method spielten im 9. Jahrhundert eine wichtige Rolle für die Verbreitung des Christentums im slawischen Raum. Sie erlangten geschichtliche Bedeutung als Missionare und Urheber des ersten slawischen Alphabets, aus dem sich später die kyrillische Schrift entwickeln sollte.

Werdegang und Wirken

Im griechischen Thessaloniki geboren als Konstantin und Michael, genossen Kyrill und sein Bruder eine ausgezeichnete Bildung. Kyrill studierte Philosophie, Grammatik, Rhetorik, Musik, Arithmetik, Geographie und Astronomie an der kaiserlichen Universität von Konstantinopel. Er beherrschte die griechische, lateinische und slawische Sprache sowie Syrisch und zum Teil auch Hebräisch. Nach Abschluss seiner Studien und seiner Weihe zum kirchlichen Diakon, wurde er Bibliothekar und Sekretär des Patriarchen von Konstantinopel, ging später in ein Kloster und kehrte zurück nach Konstantinopel, um Philosophie an der dortigen Universtät zu lehren.

Kyrills politische und religiöse Missionen führten ihn in die arabische Stadt Samarra, zu den Chasaren und zuletzt, in Begleitung seines Bruders Method nach Großmähren, einem westslawischen Staat. Ausgewählt für diesen Auftrag vom byzantinischen Kaiser Michael III, aufgrund ihrer Slawischkenntnisse, missionierten sie mehrere Jahre in dem Gebiet. Sie übersetzten zu diesem Zweck liturgische und biblische Texte ins Altkirchenslawische und entwickelten das erste slawische Alphabet, die glagolitische Schrift.

Die kyrillische Schrift

Aus der glagolitische Schrift in Verbindung mit der griechischen entwickelte sich, in der Mitte des 10. Jahrhunderts die kyrillische Schrift, wobei die meisten Buchstaben aus dem Griechischen übernommen wurden und das slawische Alphabet fehlende Laute ergänzte. Die neue Buchstabenschrift, benannt nach Kyrill von Saloniki, fand fortan Verwendung in zahlreichen, meist slawischen Sprachen in Europa und Asien. Mit kyrillischen Zeichen geschrieben werden beispielsweise:

  • Russisch
  • Ukrainisch
  • Weißrussisch
  • Bulgarisch
  • Serbisch
  • Mazedonisch
  • Kirchenslawisch
  • Kasachisch
  • Kirgisisch
  • Tadschikisch
  • Mongolisch
  • Dunganisch
Kyrill

Wer genau, nach dem Tod von Kyrill und Method, die kyrillische Schrift entwickelte ist bislang umstritten.

Heute gehört die kyrillische Schrift, neben der lateinischen und griechischen, zu den offiziell verwendeten Schriften in der Europäischen Union. Wer genau, nach dem Tod von Kyrill und Method, die kyrillische Schrift entwickelte ist bislang umstritten. Die Namen zweier Schüler von Kyrill und Method tauchen in diesem Zusammenhang jedoch auf. Clemens von Ohrid, ein Schüler Kyrills, für dessen Wirken aber lediglich belegbar ist, dass er die glagolitische Schrift reformierte und Konstantin von Preslaw, ein Schüler Methods, der nachweislich verantwortlich ist für die erste Verbreitung der kyrillischen Schrift. Von ihm sind heute mehr als 40 kyrillische Schriften bekannt. Sein bedeutendstes Werk, verfasst um 893–894, ist das „Belehrende Evangelium“.