Neben der lateinischen und griechischen Schrift ist seit dem Betritt Bulgariens im Jahre 2007 zur Europäischen Union auch das Kyrillisch zu einer offiziellen Schreibweise derselben avanciert. Nahezu der gesamte südosteuropäische Raum, das russisch Riesenreich und Staaten wie die Mongolei, Kasachstan oder die Ukraine benutzt zum Verfassen von Texten oder Beschriften von Verkehrsschildern die kyrillische Schrift.

Kyrillisch alphabet

Das Kyrillisch ist seit dem Betritt Bulgariens im Jahre 2007 zur Europäischen Union zu einer offiziellen Schreibweise derselben avanciert.

Kyrill – der Erfinder

Seine Ursprünge findet das Kyrillische am bulgarischen Zarenhof der Stadt Preslaw im 10. Jahrhundert nach Christus. Ob tatsächlich Kyrill von Saloniki, ein wichtiger slawischer Missionar und nunmehr verehrter Heiliger der Region, die Schrift erfunden hat, ist bis dato noch immer umstritten. Unumstritten ist jedoch, dass er als Namensgeber der einzige Mensch ist, nachdem eine der wichtigsten Schreibweisen der Welt benannt ist. Zusammen mit seinem Bruder Method hat er jedoch maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Kyrillisch im gesamten slawischen Raum verbreitet hat und so werden beide als Apostel des osteuropäischen Volksstammes gefeiert und noch heute Plätze, Schulen oder Kirchen nach ihnen benannt. Da vormals das Griechische auf dem Balkan verbreitet war, jene Sprache aber nicht genügend Buchstaben zur Verfügung hatte, um die speziellen Laute der Slawen darzustellen, ergab sich daraus das heute noch gebräuchliche Kyrillisch.

Die Sprachentwicklung des Kyrillisch lässt sich wie folgt nachvollziehen:

– die Keimzelle findet sich in der Phönizischen Schrift
– die weiterführend ins Griechische übernommen wurde
– daraus entwickelte man die älteste slawische Schrift, die glagolitische Schreibweise
– und formte schlussendlich das moderne Kyrillisch

Die Unterschiedlichkeit der Sprache

Die signifikantesten Abweichungen zum Lateinischen oder Griechischen sieht man darin begründet, dass einzelne Laute eigene, spezifische Buchstaben erhalten haben. So werden hörbare Besonderheiten im Deutschen, das ausschließlich der lateinischen Schreibweise folgt, aus dem Laut „sch“ zusammengesetzt. Mit s, c und h bedient man sich dreier, gebräuchlicher Buchstaben im lateinischen Alphabet und reiht sie aneinander, im Kyrillischen hingegen, hat man für derartige Ausdrucksformen eigene Buchstaben erfunden. Da Lautmalereien lokal unterschiedlich ausgeprägt sind, weisen das russische, mazedonische oder montenegrinische Alphabet mannigfaltige Unterschiede auf, auch wenn sie von ihrer Grundausrichtung her einander durchaus ähnlich sind. In vielen Ländern wurde nach russischem Vorbild eine Annäherung an die lateinischen Schriftzeichen vollzogen, die Zar Peter der Große Ende des 17.

Jahrhunderts propagierte und die Russland nach Westen hin öffnen sollte. Diese moderne Schrift wird als „Bürgerliche Schrift“ bezeichnet, welche sich deutlich von den Schriftzeichen des Kirchenslawisch unterscheidet. Letztere meint eine Keimzelle aller kyrillischen Alphabete und ist vergleichbar mit dem Lateinischen, das heute nurmehr als Sprache der katholischen Kirche tatsächliche Verwendung findet. Eine der Ausnahmen im slawischen Raum markiert die rumänische Sprache, die seit dem Jahre 1862 ausschließlich mit lateinischen Buchstaben zu Papier gebracht wird, obwohl auch hier das Alphabet des Kyrill dreihundert Jahre lang anerkannt und gebräuchlich war.