Hypothese ist ein altgriechisches Wort und bedeutet Unterstellung (hypo=unter, These=Annahme) oder willkürliche Annahme, dass etwas so ist, ohne es vorab bewiesen zu haben. Daraus abgeleitet bedeutet hypothetisch, das eine Behauptung fraglich, oder nur bedingungsweise gültig ist.

Die Hypothese ist ein Element der Logik und vor allem in der Wissenschaft eine wichtige Funktion. Seit Beginn der Wissenschaften, ringen die Philosophen mit der Frage, wie der Mensch zu Erkenntnis gelangen kann, und wie er wissen kann, ob diese Erkenntisse wirklich wahr sind.

Von der Einzelbeobachtung zum Naturgesetz

Der Versuch, Theorie und Wahrheit miteinander in Einklang zu bringen, hat in der Erkenntnistheorie zwei grundsätzlich verschiedene Denkschulen hervorgebracht. In den Naturwissenschaften geht man davon aus, dass man aus dem systematischen Sammeln und Analysieren von Einzelbeobachtungen auf einen höheren Gesamtzusammenhang schließen kann. Dieses empirische Verfahren führt zu allgemeingültigen Naturgesetzen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit wahr sind, da sie wissenschaftlich untersucht wurden.

Hypothetisch

Die Formulierung einer These aufgrund weniger Beobachtungen muss hypothetisch bleiben.

Nur was wir warhnehmen, ist wahr – alle Deduktion ist hypothetisch

Dem gegenüber stehen die Positivisten mit ihrem prominentester Vertreter Karl Popper. Popper widerspricht der empirischen Logik. Aus seiner Sicht kann man aus Einzelfällen kein allgemeines Gesetz ableiten. Der Mensch kann keine Wahrheit außerhalb seiner Wahrnehmung erkennen. Jede Theorie bleibt lediglich ein Modell der Wahrheit. Die Formulierung einer These aufgrund weniger Beobachtungen muss hypothetisch bleiben, weil das Wissen der Menschen beschränkt ist. Wir können nicht wissen, ob eine hypothetische Behauptung wahr ist, oder nicht. Dementsprechend können wir auch nichts zur Wahrscheinlichkeit der Wahrheit einer Theorie sagen. Die Formulierung eines allgemein gültigen Lehrsatzes muss deshalb immer hypothetisch bleiben.

Nur die Widerlegung einer hypothetisch en Annahme schafft Erkenntnis

Das Einzige, was der Mensch wirklich erkennen kann, ist das Scheitern einer Theorie. Sobald wir beobachten, dass eine vorher formulierte Hypothese nicht zutrifft, wissen wir, dass sie falsch war. (Aus diesem Grund wird bei jedem neuen entdeckten, Schwarzen Loch die Theorie Albert Einsteins überprüft, um seine hypthetischen Annahmen über die Krümmung der Raumzeit tatsächlich zu verifizieren.)

Fazit

Nach Poppers Logik können wir also nur sicher sein, dass etwas nicht wahr ist. Für die Wissenschaft ist es deshalb evident, immer wieder neue, hypothetisch e Theorien (Basissätze) zu formulieren, die dann anschließen im Experiment zu widerlegen sind. Die Hypothese gilt als falsch, wenn sie sich in nur einem einzigen Beobachtungsfall nicht bestätigen lässt. Die fortwährende Selektion der nichthaltbaren Hypothesen führt zu einem evolutionären Erkenntnisprozess, bei dem sich im Laufe der Zeit diejenigen Theorien mit hoher Wahrscheinlichkeit als wahr behaupten, die sich nicht widerlegen lassen.