Wann verlangt ein erweiterter Infinitiv eigentlich ein Komma und wann nicht? Die alte Rechtschreibung war noch eindeutig: Der einfache Infinitiv (Es ist schön zu leben) wurde ohne Komma geschrieben, ein erweiterter Infinitiv (Es ist schön, in Frankreich zu leben) mit Komma. Nach der neuen Rechtschreibung kann ein erweiterter Infinitiv jedoch auch ohne Komma stehen. Was als Vereinfachung gedacht war, sorgt jedoch nicht selten für Verwirrung.

Erweiterter Infinitiv im Griff

Erweiterter Infinitv: "Er bat sie leise, die Tür zu schließen"

Erweiterter Infinitv: „Er bat sie leise, die Tür zu schließen“.

Die gute Nachricht vorweg: Wer die alte Regel beherrscht, kann nicht viel falsch machen. Es ist nach wie vor erlaubt, einen erweiterten Infinitiv mit einem Komma abzutrennen. Nach der neuen Rechtschreibung darf man das Komma in vielen Fällen aber auch weglassen, wenn dadurch die Bedeutung des Satzes nicht verändert wird. Wer also im Zweifelsfall ein Komma setzt, liegt praktisch immer richtig. Wenn Sie jedoch Wert auf einen eleganten Stil legen oder in einem Bewerbungsschreiben durch gute Kenntnisse der Orthographie glänzen möchten, empfiehlt es sich dennoch, einen genaueren Blick auf die Regeln zu werfen.

Einfacher und erweiterter Infinitiv werden nach den neuen Rechtschreibregeln im Prinzip gleich behandelt. Beide müssen (bis auf wenige Ausnahmen) nur noch durch ein Komma abgetrennt werden, wenn ohne das Komma die Aussage des Satzes mehrdeutig oder unverständlich wird.

Beispielsätze „erweiterter Infinitiv“:

  • Er glaubte, nicht zuhause zu sein.
  • Er glaubte nicht, zuhause zu sein.
  • Er bat sie leise, die Tür zu schließen.
  • Er bat sie, leise die Tür zu schließen.

Ohne Komma wären diese Sätze mehrdeutig. Beim Sprechen würde man dort, wo das Komma steht, intuitiv eine Pause machen und so den Sachverhalt verdeutlichen. Im geschriebenen Text kann man ohne Komma nur erraten, ob er sie leise bat oder ob er sie bat, leise zu sein. Wer beim Schreiben auf diese Stolpersteine achtet, hat den kompliziertesten Teil der Kommaregeln im Fall „erweiterter Infinitiv“ bereits im Griff.

Keine Regel ohne Ausnahme

Der Rest besteht – wie so häufig – aus den bekannten Ausnahmen von der Regel. Die sind aber schnell abgehandelt. Ein erweiterter Infinitiv muss mit einem Komma abgetrennt werden, wenn er mit „außer“, „um“, „als“, „statt/anstatt“ oder „ohne“ eingeleitet wird. Das Gleiche gilt, wenn ein erweiterter Infinitiv im Satz angekündigt bzw. hervorgehoben wird, z.B. durch Wörter wie „damit“, „darum“, „dafür“: „Hier müssen Sie damit rechnen, ein Komma setzen zu müssen.“
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