Vielen ist Grammatik aus dem Schulunterricht als langweilig, uninteressant, unnötig und vor allem schwierig in Erinnerung. Aber was steckt eigentlich hinter der Grammatik? Wofür brauchen wir sie?

Beschreibung von Sprache, kein Regelwerk

Wer eine neue Sprache lernt, dem begegnet die Grammatik als fixes Regelwerk – man muss auswendig lernen, wie sich Verben konjugieren lassen, wie Tempi gebildet werden, welche Artikel zu welcher Vokabel gehören… Da bleibt der Spaß am Reden schnell auf der Strecke.
Dennoch ist eine Grammatik zunächst einmal kein Regelwerk, sondern die Beschreibung einer Sprache. Jede Sprache ist natürlich gewachsen, und jeder Sprecher lernt auf genau so natürliche Art die Grammatik seiner Sprache. Deshalb wird der Erwerb der Muttersprache auch nicht als anstrengendes lernen empfunden – man weiß halt einfach, was richtig ist. Der Grammatiker beobachtet daher zunächst, wie eine Sprache benutzt wird, und leitet daraus ab, nach welchen Regeln diese Sprache funktioniert. Aus diesen Beobachtungen wird dann das Regelwerk der jeweiligen Sprache erstellt. Wenn sich die Sprache dauerhaft ändert, muss demzufolge auch die Grammatik angepasst werden – wenn der Dativ dem Genitiv sein Tod ist, kann kein Regelwerk das verhindern.

Kann eine Sprache ohne Grammatik funktionieren?

Auch wenn ihr erlernen oft kompliziert: Ohne Grammatik ist Kommunikation unmögtlich.

Auch wenn ihr erlernen oft kompliziert: Ohne Grammatik ist Kommunikation unmögtlich.

Man stelle sich vor: Ein Leben ohne Grammatik. Was den meisten Schülern Jubel entlocken würde, führt dazu, dass Kommunikation unmöglich wird. Wörter beliebig aneinander zu reihen ergibt eben noch keinen Sinn. Nehmen wir folgendes Beispiel aus dem Objekt Timbuktu und dem Verb gehen:

  • Geh doch nach Timbuktu!
  • Ich ging nach Timbuktu.
  • Timbuktu geht es gut.
  • In Timbuktu geht nichts mehr.

Während der Imperativ hier deutlich eine despektierliche Aussage darstellt, beschreibt das Imperfekt völlig wertneutral eine Handlung – und in den folgenden Aussagen werden Subjekt und Objekt vertauscht, so dass sich ein komplett neuer Sinn ergibt. Würde jeder ganz nach Belieben Wörter aneinander reihen, ohne sich um Sequenz, Tempus, Kasus und Konjunktionen zu kümmern, wäre Kommunikation nicht mehr möglich.

Einzelnen Sprachgrammatiken oder Universalgrammatik?

In neueren Theorien, vertreten vor allem von Noam Chomsky, wird nicht mehr davon ausgegangen, dass zu jeder Sprache eine ganz eigene, unverwechselbare Grammatik gehört. Vielmehr, so diese Theorie, liege aller menschlichen Sprache eine Universalgrammatik zugrunde. Wer eine Sprache lernt, könne sich ganz auf die Lexik konzentrieren – die grammatikalischen Regeln sind aus dem eigenen Sprachwissen bekannt. Eine Theorie, die einiges für sich hat – immerhin lernen Menschen, die plötzlich in einer anderssprachigen Umgebung leben, die Sprache oft schnell und ohne langes Grammatik-Pauken in der täglichen Praxis. Ob die Schüler deshalb vom ungeliebten Grammatikunterricht befreit werden, muss sich zeigen.