Der deutsche Imperfekt ist ein Tempus der Vergangenheit. Neben dem Perfekt dient diese Zeitform dazu, in der Vergangenheit abgeschlossene Handlungen zu beschreiben. Im Gegensatz zum Perfekt als Vergangenheitstempus der gesprochenen Sprache wird der Imperfekt jedoch eher in der geschriebenen Sprache verwendet, ist also auf einer höheren Stilebene angesiedelt als der Perfekt. Darüber hinaus ist diese Zeitform aber auch generell das deutsche Erzähltempus, d.h. sie wird sowohl für mündliche als auch schriftliche Erzählungen bevorzugt gebraucht.

So zum Beispiel in Märchen: „Es war einmal ein König, der lebte in einem weißen Schloss und hatte drei schöne Töchter. Eines Tages sagte der König zu seinen Töchtern …“

Schließlich werden im Deutschen auch die Imperfektformen besonders häufig vorkommender Verben bevorzugt gebraucht, das sich dieses Tempus syntaktisch einfacher bilden lässt als das Perfekt. Diese Verben sind: „sein, haben, müssen, können, dürfen, sollen“. Und demzufolge hört man öfter „ich musste einkaufen gehen“ an Stelle von „ich habe einkaufen gehen müssen“ usw.

Bildung

Bei der Bildung des Imperfekts unterscheidet man zwischen regelmäßigen und unregelmäßigen Verben, wobei auch die Bezeichnungen schwache Konjugation und starke Konjugation gebräuchlich sind. Für die Besonderheiten der Bildung sollte man jedoch auch nicht die anderen Zeitformen außer Acht lassen. Bei den starken bzw. unregelmäßigen Verben können nämlich neben den Imperfektformen auch die Formen des Präsens, Imperativs und Perfekts sowie des Konjunktivs II von lautlichen Veränderungen betroffen sein. Dies ist zum Beispiel bei den Verben mit Vokalwechsel der Fall. Bei der regelmäßigen Bildung der Vergangenheitstempora finden sich Ähnlichkeiten beim Imperfekt und beim Perfekt. Der Imperfekt wird hier gebildet, indem man vom Infinitiv die Endung -EN wegnimmt und an deren Stelle -TE einfügt. Die Formen des Imperfekts des Verbs „machen“ lauten demnach wie folgt:

MACH-EN

  • ich mach-te
  • du mach-te-st
  • er mach-te
  • wir mach-te-n
  • ihr mach-te-t
  • sie mach-te-n
Dies war ein Fisch - eindeutig Imperfekt.

Dies war ein Fisch – eindeutig Imperfekt.

In Analogie dazu werden die Perfektformen der regelmäßigen Verben mit dem perfektiven Präfix GE- und dem Suffix -T gebildet, d.h. der Tempusmarker „Vergangenheit“ -T- findet sich sowohl im Perfekt als auch im Imperfekt. Die starken bzw. unregelmäßigen Verben bilden die Imperfektformen häufig mit Vokalwechsel, d.h. der Vokal im Infinitiv des Verbs verändert sich, aber es treten keine besonderen Imperfekt-Endungen zum Verbstamm hinzu. Der Vokalwechsel ist in diesem Fall der Tempusmarker für „Vergangenheit“. Der Imperfekt des Verbs „schwimmen“, mit einem Vokalwechsel von -I- zu -A- lautet demnach:

SCHWIMM-EN

  • ich schwAmm
  • du schwAmm-st
  • er schwAmm
  • wir schwAmm-en
  • ihr schwAmm-t
  • sie schwAmm-en

Bei den Verben mit Vokalwechsel verändert sich häufig aber nicht nur der Vokal im Imperfekt, sondern auch in anderen Zeitformen und Modi, wie Präsens, Imperativ, Perfekt und Konjunktiv II. So zum Beispiel beim Verb „sprechen“, wo sich der Stammvokal -E- des Infinitivs zu -I-, -A-, -O- und -Ä- verändert. Die verschiedenen Formen dieses Verbs lauten demnach:

SPRECH-EN

ich sprEche, wir sprEchen, ihr sprEcht, sie sprEchen
du sprIchst, er sprIcht – sprIch!
ich sprAch, du sprAchst, er sprAch, usw.
ich habe gesprOchen, du hast gesprOchen, usw.
ich sprÄche, du sprÄchst, er sprÄche, usw.

Die Formen des Konjunktivs II sind häufig mit dem Imperfekt identisch, oder aber sie werden durch Vokalwechsel von dieser Zeitform abgeleitet. Dabei wechselt -A- zu -Ä, -O- zu -Ö- und -U- zu -Ü-. Hier ein paar Beispielen:

  • MACHEN – ich machte vs. ich machte
  • MÜSSEN – ich mUsste vs. ich mÜsste
  • KÖNNEN – ich kOnnte vs. ich kÖnnte
  • SPRECHEN – ich sprAch vs. ich sprÄche