Bestimmte steuerfreie Einkünfte, zum Beispiel das von der Krankenkasse oder der Berufsgenossenschaft gezahlte Krankengeld, unterliegen dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Sie werden zum Zwecke der Einkommenssteuerberechnung bei der jährlichen Einkommenssteuererklärung den übrigen steuerpflichtigen Einkommensarten zuaddiert, um den Steuersatz (in Prozent) zu ermitteln. Dadurch erhört sich der Steuersatz, der dann auch als besonderer Steuersatz bezeichnet wird.

Warum unterliegen bestimmte Einkommensarten dem Progressionsvorbehalt?

Durch das deutsche Steuerrecht, dem Prinzip einer leistungsgerechten Besteuerung, rechtfertigt sich der Progressionsvorbehalt, da auch steuerfreie Einkunftsarten die steuerliche Leistungsfähigkeit erhöhen. Aufgrund dieser Leistungsfähigkeit führen auch steuerfreie Einkünfte durch die Versteuerung über den Progressionsvorbehalt zu einem erhöhten Steuersatz, der allerdings ausschließlich auf die steuerpflichtigen Einkünfte angewendet wird. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass steuerfreie Einnahmen auch weiterhin steuerfrei bleiben, diese allerdings durch einen erhöhten Steuersatz auch einen Einfluss auf die übrigen steuerpflichtigen Einkünfte haben.

Wie werden Progressionsvorbehalts-Versteuerungen berechnet?

Um die Einkommenssteuer und ihre Auswirkungen auf den Progressionsvorbehalt zu berechnen, stehen im Internet verschiedene Progressionsvorbehalt-Rechner bereit. Dort wird die Höhe der zu zahlenden Steuer berechnet, inklusive der Berücksichtigung des Progressionsvorbehalts. Die prozentuale und summenmäßige Mehrbelastung kann so auf einfachem Wege ermittelt werden. Nur wenn bereits der Höchststeuersatz oder der sogenannte Spitzensteuersatz aufgrund der Einkommenshöhe erreicht wurde, hat eine Progressionsvorbehalts-Leistung keinen Einfluss auf die Höhe der zu zahlenden Einkommenssteuer.
Als einfach Berechnung gilt:
Gesamtsumme der steuerpflichtigen Einnahmen abzüglich des Arbeitnernehmerpauschbetrages (Werbungskosten), der Sonderausgaben und der außergewöhnlichen Belastungen ergeben das mit der Einkommenssteuer zu versteuernde Einkommen. Dabei gilt: je höher das Einkommen, desto höher ist der Einkommenssteuersatz. Diese steuerliche Abhängigkeit bezüglich der Höhe des erzielten Einkommens ist die sogenannte Steuerprogression.
Alle steuerfreien Einkommensersatzleistungen werden mit den anderen Einkünften zusammenaddiert. Nun wird auf das ermittelte Einkommen der persönliche Steuersatz errechnet. Dieser Steuersatz wird ausschließlich auf das zu versteuernde Einkommen (ohne den Einkommensersatzleistungen) angewendet.

Welche Lohnersatzleistungen unterliegen dem Progressionsvorbehalt?

Unter anderem Arbeitslosengeld und Elterngeld fallen unter den Progressionsvorbalt.

Unter anderem Arbeitslosengeld und Elterngeld fallen unter den Progressionsvorbalt.

Lt. § 32b EStG zählen folgende Lohnersatzleistungen zu den dem Progressionsvorbehalt unterliegenden Einkünften:

  • Arbeitslosengeld
  • Krankengeld
  • Kurzarbeitergeld
  • Elterngeld
  • Mutterschaftsgeld

Dabei bleiben Lohnersatzleistungen in Höhe von weniger als 410 Euro unberücksichtigt.
Neben den Lohnersatzleistungen unterliegen auch andere Einkünfte der Progressionsvorbehalts-Versteuerung. Dazu zählen unter anderem Kapitalanleger mit Einkünften aus Nicht-EU-Statten, zum Beispiel mit Einkünften aus ausländischen Immobilienfonds.
Jeder Steuerpflichtige, der steuerfreie Einkünfte über 410 Euro bezieht, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, ist zur Abgabe einer Einkommenssteuererklärung verpflichtet.
Ein negativer Progressionsvorbehalt mindert die Höhe des Steuersatzes und wird daher vom zu versteuernden Einkommen abgezogen.