Im Oktober 1962 entdeckte die US-Luftaufklärung – wahrscheinlich alarmiert durch Erkenntnisse des deutschen Bundesnachrichtendienstes, der diese an die CIA weitergegeben hatte – die Existenz von Abschussrampen für mit atomaren Sprengköpfen bestückbare sowjetische Raketen. Dies führte in der Folgezeit zur unmittelbaren Konfrontation der beiden damaligen Weltmächte, die als Kubakrise bezeichnet wird.

Die Kubakrise aus deutscher Perspektive

Nachdem es am 27.10.1962 zum Abschuss eines amerikanischen U-2-Aufklärungsflugzeuges über Kuba und zu einer direkten Begegnung zwischen einem im Rahmen des von Präsident Kennedy verhängten See-Embargos gegen Kuba entsandten US-Kriegsschiffes und einem U-Boot der UdSSR gekommen war, stand die Welt kurz vor einem Atomkrieg. Erst nach Geheimverhandlungen zwischen den Weltmächten konnte die Krise durch einen Kompromiss entschärft werden. In Deutschland, das seinerzeit wegen des schwelenden Konflikts um Berlin ohnehin in Alarmstimmung war, schließlich lag der Mauerbau gerade ein Jahr zurück, wurde die Kubakrise aus der Sicht eines passiven Beobachters wahrgenommen. Die Regierung Adenauer war aufgrund des bevorstehenden Abschieds des Kanzlers von der politischen Macht politisch kaum handlungsfähig. Zudem wurde Deutschland von seinem amerikanischen Verbündeten über den Gang der Geheimverhandlungen mit der UdSSR nicht im Detail informiert. Besonders in Berlin wurde die Kubakrise aufmerksam beobachtet, da der sowjetische Außenminister Gromyko noch am 18.10.1962 die Entmilitarisierung Berlins gefordert hatte.

Kubakrise und Spiegel-Affäre

Die Regierungen beider TeileDeutschlands waren sich nciht über die Bedeutung des Endes der Kubakrise bewusst.

Die Regierungen beider TeileDeutschlands waren sich nciht über die Bedeutung des Endes der Kubakrise bewusst.

In Deutschland wurde die Wahrnehmung der Kubakrise vom abzusehenden Ende der Ära Adenauer und dem Konflikt um Berlin überschattet. Besonders die Spiegel-Affäre, in der es um den unerwiesenen Vorwurf des Landesverrats gegen Redaktionsmitglieder des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ ging, führte zu Diskussionen über die strategische Lage in Deutschland einerseits und über die Reichweite der Pressefreiheit andererseits. Die Berichterstattung des „Spiegel“ hatte Deutschland als mit konventionellen Mitteln nur „bedingt abwehrbereit“ dargestellt und die Möglichkeit eines Atomkrieges in Deutschland erwogen. Die Kubakrise wurde in Deutschland aufgrund dieser Umstände als Teil der ohnehin bestehenden Ost-West-Konfrontation betrachtet und mit dem latenten Konflikt um Berlin in Verbindung gebracht. Das Ende der Kubakrise wurde erleichtert zur Kenntnis genommen, ohne dass der sich hieraus entwickelnde Anstoß zur Entspannungspolitik von den Regierungen beider deutscher Staaten, deren Akteure insoweit passiv blieben, erkannt wurde.