Das Mittelalter fasziniert uns: Historiendramen wie „Die Wanderhure“ auf SAT 1 erreichen Einschaltquoten von mehr als 25 Prozent. Die Bestseller „Das Lächeln der Fortuna“ von Rebecca Gable oder Kenn Folletts „Die Säulen der Erde“ erreichen Millionenauflagen. Und zu den Mittelalter-Märkten strömen jährlich hunderttausende von Besuchern. Woher kommt diese Begeisterung für diese doch sehr ferne Zeit?

Mittelalter – Was ist damit eigentlich gemeint?

Die Historiker meinen mit Mittelalter die Epoche in der europäischen Geschichte, die mit dem Ende der Völkerwanderung und dem Untergang des Römischen Reiches im 5./6. Jahrhundert beginnt und mit der Renaissance bzw. der Entdeckung und Kolonisierung Amerikas im 15./16 Jahrhundert endet.

Mittelalter – Warum fasziniert es uns bis heute?

Die Kultur, Religion und Philosophie des Mittelalters wirkt bis zu uns ins 21. Jahrhundert. Wer vor einer so großartigen gotischen Kathedrale wie dem Kölner Dom steht, der spürt etwas von dem tiefen Glauben, von der Unmittelbarkeit zu Gott in dieser Zeit. Mittelalter und Glaube sind zwei Seiten einer Medaille. Religion als Privatsache, so wie es für uns heute in einer säkularen Gesellschaft selbstverständlich ist, war im Mittelalter undenkbar, auch für die größten Gelehrten.

Das Mittelalter löst auch heute noch bei vielen Menschen eine gewisse Faszination aus.

Das Mittelalter löst auch heute noch bei vielen Menschen eine gewisse Faszination aus.

Das Mittelalter war gar nicht finster – Thomas von Aquin

Einer der großen Kirchenlehrer und Philosophen des Mittelalters war Thomas von Aquin (*1225 – †1274). Geboren in Italien lebte er seit seinem fünften Lebensjahr in einem Benediktinerkloster, später trat er jedoch den Dominikanern bei, einem noch jungen und damals umstrittenen Bettelorden. Als Student lebte er danach einige Jahre in Köln, später lehrte er als Magister in Paris, Rom und Neapel. Bereits 50 Jahre nach seinem Tod wurde er vom Papst Johannes XXII. heiliggesprochen.

Thomas von Aquin war Scholastiker, einer an Aristoteles angelehnten Form wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens, deren Vorgehensweisen bis heute aktuell sind, z. B. vor einer Entscheidung alle Pro- und Contra-Argumente zu sammeln, sie gegeneinander abzuwägen und sich dann entsprechend zu entscheiden. Behauptungen etwa zu verifizieren oder falsifizieren, indem man sie mit offensichtlichen oder bewiesenen Tatsachen abgleicht. Heute Selbstverständlichkeiten, die bereits Schüler in der Mittelstufe lernen, vor 800 Jahre eine Revolution. Thomas von Aquin und seine Anhänger waren in gewisser Weise die Vorväter unserer modernen wissenschaftlichen Arbeitsweise.