Die Bibel selbst bietet eine Erklärung für die allegorische Deutung einzelner Bibelstellen an und zwar durch den Evangelisten Markus. Auf Mk 4.11 erklärt er Allegorie in der Bibel so, dass nur die Eingeweihten Jesu Gleichnisse verstehen könnten. Werden sie als Allegorie gesehen, wird jedes Erzählelement in religiösem Sinn gedeutet und auch nur von denen verstanden, die in der Lage sind, diesen Sinn zu erfassen.

Allegorie in der Bibel entschlüsseln

Allegorien spielen in vielen Passagen der Bibel eine wichtige Rolle

Allegorien spielen in vielen Passagen der Bibel eine wichtige Rolle

Markus bietet als Beispiel für Allegorie in der Bibel das Gleichnis vom Sämann an. Die Aussaat steht für die Verbreitung des Wortes Gottes. Die unterschiedlichen Bodenformen stehen für die Stabilität des Glaubens derer, die das Wort empfangen haben. Die einen (Weg) lassen sich das Wort wieder entreißen, bei den anderen (felsiger Untergrund) wurzelt es nicht tief genug, sodass sie Gott vergessen, wenn es Schwierigkeiten gibt, bei der dritten Gruppe (Dorngestrüpp) wird die Botschaft Gottes von weltlichen Dingen übertönt und erstickt. Nur diejenigen, die einen tiefen Glauben haben (guter Boden), nehmen das Wort an und können es weitergeben. Allegorie in der Bibel gibt es im Alten wie im Neuen Testament. Die Söhne der Hagar und der Sarah werden von Paulus als Altes und Neues Testament gedeutet. Der Exodus aus Ägypten wird heilgeschichtlich interpretiert, als letztendliche Befreiung des Volkes Israel. Besonders geeignet für allegorische Auslegung sind im AT die Bücher Moses und im NT die Offenbarung des Johannes. Gerade die Offenbarung ist allegorisch angelegt, auch wenn die konkreten Deutungen im Einzelnen oft umstritten und abhängig vom Hintergrund des Deutenden sind. Bei der Deutung ist der jeweilige Hintergrund des Deuters zu berücksichtigen, weil Jesus, wie moderne Forschungen erhärten, keine Allegorie in der Bibel erzählen wollte. Seine Gleichnisse wurden erst in der nachfolgenden Deutung allegorisch verstanden. Hier spricht man von Allegorese: Ein Text, der ursprünglich nicht als Allegorie gemeint war, wird dennoch so ausgelegt. Vergleichbar verhält es sich mit dem Alten Testament. Die eine oder andere Allegorie in der Bibel ist hier offensichtlich: der für den Teufel stehende Drache, das Tier als übermächtige (Staats-)Macht, die Zahlen in ihren symbolischen Entsprechungen.

Allegorie und Allegorese in der Bibel

Bei der Deutung ist der jeweilige Hintergrund des Deuters zu berücksichtigen, weil Jesus, wie moderne Forschungen erhärten, keine Allegorien erzählen wollte. Seine Gleichnisse wurden erst in der nachfolgenden Deutung allegorisch verstanden. Hier spricht man von Allegorese: Ein Text, der ursprünglich nicht als Allegorie gemeint war, wird dennoch so ausgelegt. Vergleichbar verhält es sich mit dem Alten Testament. Über die Jahrhunderte der Auslegung veränderte sich scheinbar die Bedeutung mancher Allegorien, wie etwa im Hohen Lied Salomos. Von der Liebesdichtung bis zur politischen Allegorie gibt es hier die unterschiedlichsten Deutungen. Wichtig ist also im Gedächtnis zu behalten, dass echte Allegorien in der Bibel zwar vorhanden sind, deren Verständnis aber immer vom Deuter abhängt.
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