Der Begriff Novelle bezeichnet in der Literaturwissenschaft eine kürzere, epische Prosaerzählung, die sich in erster Linie hinsichtlich anderer Literaturgattungen abgrenzen lässt.
Weitere Formen der Klein- oder Kurzepik sind:
• die Kurzgeschichte
• die Fabel
• das Märchen
• die Sage und
• die Legende

Inhalt der Novelle ist in der Regel ein einzelnes, ungewöhnliches Geschehen der zentrale Konflikt, der regelmäßig nach einem markanten Wendepunkt aufgelöst wird und der nicht durch abschweifende Episoden ergänzt wird.
Die Erzählung wird dabei meist von einem einzigen Leitmotiv bestimmt, das oft von einem Symbol, das für das Geschehen steht, versinnbildlicht wird.
Getragen wird dieser einsträngige Aufbau normalerweise von einer Rahmenerzählung von der aus ein fiktiver Erzähler die eigentliche Geschichte vorträgt. Allerdings ist das Vorhandensein einer solchen Rahmenhandlung nicht zwingend notwendig.
Weiterhin kennzeichnet die Novelle ein strenger Aufbau, der meist klare Strukturen und eine geschlossene Form beinhaltet und dabei durch die Rahmenhandlungsstruktur unterstützt wird sowie ein chronologischer Zeitablauf.
Durch diese Strukturen erscheint das Geschehen objektiviert und kann von den Lesern, die ihrerseits die Position fiktiver Zuhörer haben, reflektiert werden.

Entstehungsgeschichte der Novelle

Entstanden ist diese Literaturgattung in der italienischen Renaissance mit dem Decamerone von Giovanni Boccaccio.
Nachdem die Novelle in Deutschland im ausgehenden 18. Jahrhundert von Wieland, Goethe, und den Romantikern als Darstellungsform aufgegriffen wurde und sich damit auch als Literaturgattung etablierte, erlebte sie im 19. Jahrhundert eine neue Blüte. Die Hauptvertreter der Novelle waren:
Storm
• Stifter
• Droste-Hülshoff
• Gotthelf
• Keller
• Meyer und natürlich
• Kleist

Beispiel

Storms Novelle Der Schimmelreiter erschient erstmals 1888.

Storms Novelle Der Schimmelreiter erscheint erstmals 1888.

Eines der bekanntesten Beispiele einer Novelle ist der „Schimmelreiter“, Theodor Storms erstmals 1888 in der Deutschen Rundschau veröffentlichte Version einer Wiedergänger-Sage über den Deichgrafen Hauke Haien.
Die doppelte Rahmenhandlung, die für die geschlossene Struktur sorgt, wird hier durch den Erzähler vorgegeben, der sich auf eine Geschichte zurückbesinnt, die er als Kind im Haus seiner Urgroßmutter gelesen hat und die er seinen Zuhörern nun nacherzählt, wobei zunächst ein weiterer Erzähler auftritt, der von seiner gespenstigen Begegnung mit dem Schimmelreiter berichtet und dann seinerseits die Hintergründe des Geschehens in chronologischer Abfolge erfährt. Der zentrale Konflikt der Geschichte ist der vom Deichgrafen geplante Bau eines neuen Deichs mit dem er sich ein Denkmal setzten will, und das Unverständnis, das ihm entgegengebracht wird. Gelöst wird der Konflikt schließlich durch den Deichbruch, der das Projekt endgültig scheitern lässt.
Das Auftauchen des Schimmelreiters als Wiedergänger schließlich, steht als Symbol für die unerfüllten Hoffnungen Hauke Haiens, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen.

Bildquelle: H.-P.Haack via wikimedia.org