Ein kluger, stolzer, verantwortungsvoller Mann, mit großem Herzen, das war der Deichgraf, Hauke Haien, in „Der Schimmelreiter“. Theodor Storms Novelle erzählt eine sturmgepeitschte, dramatische Geschichte über das Leben und Wirken dieses Deichgrafen, Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Personen, die Schauplätze und die Regionen sind rein fiktiv und sind es nicht. Als Deichgrafen hat es Hauke Haien nie gegeben. Doch gab es ein ähnliches Haus eines Deichgrafen in Nordfriesland, es gab reale Persönlichkeiten, mit den Fähigkeiten eines Hauke Haien und letztendlich gab es die Sage, die Theodor Storm dazu animierte, diese Novelle zu schreiben.

Das Leben

Ein intelligenter und zunächst zurückhaltender Junge macht unbeirrt seinen Weg. Er folgt seiner Berufung, bis er zum Deichgrafen ernannt wird. Dies, obwohl es zunächst aussichtslos erscheint, denn dafür ist es erforderlich, eine gewisse Fläche Land zu besitzen. Durch eine glückliche Fügung, der Liebe zu Elke Volkerts, kommt das benötigte Land. Er ist ein liebevoller Ehemann und Vater einer geistig zurückgebliebenen Tochter. Er wirkt als Deichgraf mit unermüdlichem Einsatz und innovativen Ideen für den Deichschutz und damit oftmals gegen die Dorfbewohner.

Der Rahmen

Theodor Storm hat reale Bausteine und eine Sage zu einer faszinierenden, fiktiven Geschichte zusammengefügt. Seine Novelle ist voller mystischer Fiktion und Wirklichkeit, er hat sie in zwei Rahmen eingebettet:

Realität – in der Novelle:

  • ein Reisender, nach einer nebulösen Erscheinung, hört diese Geschichte von einem Schulmeister
  • die Geschichte des Deichgrafen
  • der Reisende, nun im Bewusstsein der ganzen Begebenheiten, läuft den Hauke-Haien-Deich entlang, dieses mal „beim goldigsten Sonnenlichte“.

Realität – wird nicht in der Novelle erwähnt:

  • Theodor Storm, fasziniert von den Mythen der Küste, entdeckt diese Sage in einem Artikel
  • Theodor Storm hat diese Geschichte kurz vor seinem Tod 1888 als eigenständige Novelle herausgebracht und nicht zu seiner Sammlung „Neues Gespensterbuch“ mit Geschichten aus Schleswig Holstein gelegt, da die ursprüngliche Sage an der Weichsel spielt.

Der Tod

Ist der Tod des Deichgrafen und die geisterhaften, Erscheinungen als Schimmelreiter nach seinem Tod ein Hinweis darauf, dass der Mensch die Gewalten der Natur nicht zu beherrschen vermag? Oder eher darauf, dass ein Mensch, beseelt von besten Absichten, Klugheit und mit großem Herzen statt auf Anerkennung, oftmals auf Ablehnung und Hass stößt? Es scheint, dass es gerade Menschen sind, wie dieser Deichgraf, die ewig weiterleben, sei es in Erzählungen, in Erscheinungen oder in den Herzen der Menschen.