Realismus ist eine grundsätzlich poetologische Bestimmung von Literatur, die in jeglicher Form und zu jeder Zeit auf Realität bezogen war und ist. Es geht nicht nur um den Stil- und Epochenbegriff.

Epoche

Die literarische Epoche Realismus umfasst die Zeit zwischen Romantik und Naturalismus, wenn man ergänzend Biedermeier dazunimmt von etwa 1815 bis 1885.

Zu dieser Zeit konstruierte sich ein neues Verständnis von Kunst und Realität zwischen dem Naturalismus und dem Idealismus. Realismus bezieht sich auf die Welt, aber gibt sie nicht unmittelbar wieder. Er ordnet sie mittels schöpferischer Fantasie. Er schafft sozusagen die Welt noch einmal. Das Kunstwerk ist künstlerisch gestaltete Deutung der Wirklichkeit.

Die Bedingungen dieser Jahre waren die Entwicklungen in Naturwissenschaft, Technik und Industrialisierung. Durch das Scheitern der bürgerlichen Revolution von 1848/49 veränderte sich die historisch politische, geistige und literarische Lage Deutschlands. Als literarische Grundlagen sind einerseits Goethes Gegenständlichkeit und andererseits die Autoren aus Biedermeier, „Junges Deutschland“ und Vormärz zu sehen.

Autoren dieser Zeit waren beispielsweise Franz Grillparzer, Friedrich Rückert, Heinrich Heine, Georg Büchner, Eduard Mörike, Adalbert Stifter, Georg Büchner und Theodor Fontane. Zum Stilmittel des Realismus gehörte u.a. die Parataxe mit Konzentration auf Wesentliches und Wahrhaftiges.

Thomas Mann entwickelte einen psychologischen Realismus, der aus der Epoche des Realismus hervorging. Zu seinen Stilmitteln gehörte auch die Hypotaxe mit komplex Detailreichem.

Literaturverständnis

Heinrich Heine war ein bedeutender Vertreter des Realismus

Heinrich Heine war ein bedeutender Vertreter des Realismus

Roman, Novelle und Erzählung waren die bevorzugten Gattungen, da sie nicht an ein festes Regelsystem gebunden waren. Neue Inhalts- und Darstellungsformen konnten aufgenommen werden. Die Prosa ermöglichte zudem eine sprachliche Annäherung an die Alltagswelt. Im Biedermeier war eine Vorliebe für Überschaubares und Geborgenes. Abgründiges wurde jedoch teilweise angedeutet.

Beim poetischen Realismnus ging es nicht um Flucht in lyrisch gestimmte Innerlichkeit, sondern er zielte auf die Absicht, ein poetisches Form- und Strukturgesetz über der dargestellten Wirklichkeit zu haben. Beim bürgerlichen Realismus fehlten jedoch die Darstellung gesellschaftlicher Krisen und Konflikte, die die europäische Literatur kennzeichneten.

Die Literatur setzt sich mit Unterschichtsproblemen kaum auseinander. Nach Fontane strebt Realismus nicht die Wiedergabe alltäglichen Lebens an, sondern spiegelt das wirkliche Leben im Element der Kunst. Verklärung wird als Voraussetzung dafür gesehen. Die realistische Dichtung hält sich stofflich und thematisch an die Grenzen, die durch die natürliche Erfahrung in Zeit, Raum, Kausalität und durch die seelisch-psychologische Erfahrung als ein Existieren in den Beschränkungen der Erfahrungswelt bestimmt werden.

Das Realitätsbewusstsein im Zeitalter der gescheiterten politisch-sozialen Revolution, des wirtschaftlich, industriellen Aufschwungs und der Entwicklung zur modernen Massengesellschaft war nach Mitte des 19. Jahrhunderts gestört. Gleichzeitig kam es zu einer regelrecht explosionsartigen Anhäufung wissenschaftlicher Einzelerkenntnisse in Naturwissenschaft und Technik, Ökonomie und Psychologie. In diesem Klima entstand der bürgerliche Realismus.

Realismus war und ist auch in der bildenden Kunst von großer Bedeutung.