Das Pseudonym wird landläufig als ein Deckname gesehen, was aus seiner griechischen Wortbedeutung abgeleitet wird. Ein Pseudonym wird neben der Literatur auch bei Tarnnamen in der Spionage verwendet. Viele Schriftsteller, die in der Literatur auch ungewöhnliche, eher nicht bei ihnen vermuteten Literaturgattungen geschrieben, hat das Pseudonym gewählt, um sich zu schützen und zu tarnen. Aber ebenso kommt in Betracht, dass der werte Leser unvoreingenommen das Werk lesen soll und ganz frei in der Bewertung sein kann. Viele große Literaten haben Pseudonyme gewählt und darunter veröffentlicht. So auch der Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda.

Schutz vor Verfolgung und Marginalisierung

Gerade an dem Beispiel des Literaturnobelpreisträgers  Pablo Neruda, der in der Zeit des Faschismus in Spanien, publizierte, wird deutlich, dass das Pseudonym auch ein unabdingbarer Schutz sein konnte. Denn bis der entsprechende Geheimdienst den eigentlichen Inhaber des Pseudonyms identifizieren konnte, gab es demselben einen gewissen Vorsprung, um sich in Sicherheit zu bringen. Die Marginalisierung des jeweiligen Trägers eines Pseudonyms hatte die Aufgabe den Verfasser bestimmter Schriften unmöglich zu machen. Seine Werke wurden aus öffentlichen Einrichtungen entfernt und schlimmstenfalls, wie es in vielen diktatorisch angelegten Systemen geschehen ist, verbrannt. Die Verbrennung der Werke bei den Inquisitionsprozessen Spaniens oder der Bücherverbrennung bei den Nationalsozialisten hatte einen rituellen Charakter. „Ich übergebe das Werk von… den reinigenden Flammen!“ Dieser rituell aufzufassende Satz stellt eine Duration, eine Reinigung dar, die das Löschen eines Werkes und den Urheber zur Folge haben sollte. Ähnliches kennt man aus der ägyptisch-pharaonischen Tradition, wo die Namenskartuschen z.B. des Königs Echnaton aus allen Inschriften gelöscht wurden. Ebenso alle Schriften und Dokumente, die mit diesem Herrscher zusammenhängen.

Auch der Schriftsteller Pablo Neruda verfasste seine Werke unter einem Pseudonym.

Auch der Schriftsteller Pablo Neruda verfasste seine Werke unter einem Pseudonym.

Das Verbergen des bürgerlichen Namens

Hinter einem Pseudonym steckt auch eine bürgerliche Existenz, die es auch zu wahren gilt. So wählen Schriftsteller einen Tarn- und Decknamen, der sie zwar unverwechselbar macht, aber ihre Identität nicht preisgibt und sie unter Umständen schützt, vor
a) Verfolgung
b) öffentlicher Diskreditierung
c) moralischer Abwertung
d) Erpressbarkeit und Einschüchterung.

Die Gründe für einen Tarn- und Decknamen

Mancher Schriftsteller wählte sich nicht nur das Pseudonym, sondern es wurde einem Werk auch einfachhin zugewiesen wie bei dem Werk des „Cherubinischen Wandersmann“. Einem Dichter aus dem östlichen Raum, der Angelus Silesius genannt wird. Der Kartäuserorden, ein neunhundert Jahre alter Orden, der nie reformiert wurde, verlangt sogar in der Regel des Ordensgründers Bruno von Köln, das Schriften nur unter Pseudonymen veröffentlicht werden dürfen. Ein Beispiel dafür wäre „die Wolke des Nichtwissens“. Eine Schrift der Kontemplation. Ein modernerer Vertreter tritt uns in dem aufwühlenden Zeugnis eines Krebskranken entgegen: Fritz Zorn in seinem Buch „Mars“. Der Dichter Novalis war ein angesehener Adliger, der so als Friedrich Freiherr von Hardenberg nicht ins Gerede kommen wollte.