Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich der Name „Xanthippe“ schon seit mehreren Jahrhunderten als ein Synonym für eine streitsüchtige, übellaunige Ehefrau eingebürgert. Auch heutzutage trifft man immer mal wieder auf diesen Begriff. Erst in den letzten 40 Jahren hat die Frauenbewegung versucht, den Namen ins Positive zu wenden. Wer steckt nun hinter diesem Namen?

Xanthippe war die Ehefrau des Philosophen Sokrates (469 v. Chr.- 399 v.Chr.). Ihren schlechten Ruf bekam sie durch ein Werk des Politikers und Philosophen Xenophon, einem Schüler Sokrates. In seinem Werk „Das Gastmahl“ schildert er Xanthippe als eine „unerträgliche Frau“, die sich durch besondere Zanksucht auszeichnet.

Seit dieser Zeit sind unzählige Anekdoten überliefert, die dieses Bild noch verstärken. Am bekanntesten dürfte wohl die Episode sein, wo Xanthippe aus Wut darüber, dass Sokrates sich wieder nicht um den Hausstand gekümmert hat, ihm den Inhalt ihres Nachttopfes über den Kopf gießt. Er antwortete daraufhin: „ Seht her, wenn meine Frau donnert, spendet sie auch Regen“

Eine Xanthippe ist eine streitsüchtige, übellaunige Ehefrau

Eine Xanthippe ist eine streitsüchtige, übellaunige Ehefrau

Zieht man die historischen Fakten zu Rate, kommen einem Zweifel an der Wahrhaftigkeit solcher Geschichten. Von Sokrates sind keine eigenen Niederschriften überliefert. So muss man auf die Schriften seines Schülers Platons, der sich sehr intensiv mit dem Leben und dem philosophischen Werk von Sokrates auseinandergesetzt hat, zurückgreifen. Platon überliefert jedoch ein ausgesprochen wohlwollendes Bild von Xanthippe.

Sokrates heiratete erst mit 50 Jahren die viel jüngere Xanthippe. Sie stammte wahrscheinlich aus einem Athener Adelsgeschlecht. Erst durch ihre reichhaltige Mitgift war es Sokrates möglich, sich ganz der Philosophie zu widmen. Er selber kam aus eher ärmlichen Verhältnissen. Xanthippe gebar ihrem Mann drei Söhne.

Die Ehe mit dem Philosophen war sicherlich nicht einfach und es gab bestimmt immer wieder Konflikte aus Sorge um das fehlende Geld. Auch hatte sie Angst, dass Sokrates wegen seiner aufrührerischen Gedanken in Schwierigkeiten geraten könnte. Leider sollte sie mit ihren Befürchtungen recht behalten. Sokrates wurde wegen Gottlosigkeit angeklagt und zum Tode verurteilt. Nach seinem Tod setzten sich die Schüler von Sokrates und Xanthippe für die Rehabilitierung des Philosophen ein. Diese wurde schließlich durchgesetzt. Xanthippe starb als angesehene Frau der Athener Gesellschaft.

Warum bekam Xanthippe ihren schlechten Ruf? Durch die Darstellung, dass ein großer Philosoph mit einem zänkischen Weib geschlagen ist, konnte man sehr gut den Widerspruch zwischen der ideellen und der alltäglichen Welt darstellen. Mit den Jahrhunderten wurde dieser Gegensatz immer weiter verschärft, bis das Bild entstand, welches wir heute noch von der Frau von Sokrates haben. Das Wort Xanthippe steht auf der deutschen Buchstabiertafel auch für den Buchstaben „X“.