Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun wurde 1912 in der Provinz Posen, die damals zum Deutschen Reich gehörte, geboren. Er war ein bedeutender Raketeningenieur und gilt als Vater der Raumfahrt. Während der Zeit des Nationalsozialismus lebte er in Deutschland und war aufgrund seiner Leistungen bei den Nationalsozialisten hoch angesehen. Er war maßgeblich am Bau der ersten, funktionierenden Flüssigkeitsrakete A4 („V2“) beteiligt und leitete den Bau von Trägerraketen für die Projekte der NASA.

Wernher von Brauns Aufstieg während des Nationalsozialismus

Da Wernher von Braun an der Kriegsführung der Nationalsozialisten durch den Bau der „V2“ beteiligt war und zudem Zwangsarbeiter für die Herstellung der sogenannten „Vergeltungswaffe“ beschäftigte, wird er von vielen Kritikern und Historikern als Freund des Nationalsozialismus oder zumindest als Mitläufer bezeichnet. 1934 hatte Wernher von Braun bereits mit einer Arbeit über „Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete“ promoviert und entwickelte in den Folgejahren ein Raketentriebwerk. Für die weitere Abwicklung neuer Raketenprogramme wurde Peenemünde an der Ostsee als Testort gewählt, weil hier genügend Platz zur Verfügung stand. Bis zum Ende des Nationalsozialismus 1945 war Wernher von Braun technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVA).

Der umstrittene Raumfahrt-Visionär

1937 war Wernher von Braun Mitglied der NSDAP geworden, 1940 trat er der SS bei. Damit hatte er sich endgültig zum Nationalsozialismus bekannt. Um genügend Arbeitskräfte in Peenemünde zusammen zu bekommen, griff Wernher von Braun während des Krieges auf KZ-Häftlinge zurück, die in den umliegenden Außenlagern untergebracht waren. Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde ihm vorgeworfen, die schlechten und menschenverachtenden Bedingungen, unter denen die Häftlinge arbeiten mussten, billigend in Kauf genommen zu haben. Wernher von Braun beteuerte nach dem Krieg zwar, von den schlechten Arbeitsbedingungen der Häftlinge nichts gewusst zu haben, dagegen sprachen jedoch Berichte von Augenzeugen, die ihn bei der Besichtigung der Produktionsprozesse gesehen hatten. Einige Jahre vor seinem Tod gab Wernher von Braun in einem Interview zu, dass ihn der erbarmungswürdige Zustand der Häftlinge bedrückt habe.

Ungehinderte Fortsetzung der Karriere in den USA

Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde Wernher von Braun zum Wegbereiter der US-Raumfahrt. Das Kriegsende überstand er unbehelligt. Dank seiner weitreichenden Kenntnisse in der Raumfahrt war das Interesse der Amerikaner an seinem Know-how zu groß als dass sie auf einer weitgehenden Aufarbeitung seiner Haltung zum Nationalsozialismus bestanden hätten. So war Braun in den 50er und 60er Jahren eine glanzvolle Karriere in den USA beschieden. 1977 verstarb er an Krebs.
Insbesondere in den vergangenen Jahren wurde verstärkt Kritik an Wernher von Braun geübt und seine Nähe zum Nationalsozialismus erneut diskutiert. Zu seinem 100. Geburtstag 2012 wurde von führenden Historikern eine Aufarbeitung seiner NS-Vergangenheit ausdrücklich im Rahmen einer schriftlichen Erklärung („Peenemünder Erklärung“) gewünscht.