Wernher von Braun – diesen Namen impliziert man sofort als den des Pioniers der Raumfahrt, den „Vater der Rakete“, aber auch gleichzeitig als umstrittenen Helfer Hitlers. Dadurch haftete ihm der Makel eines Kriegsverbrechers an.

Von Anfang an ein Mann der Gegensätze

Wernher von Braun war ein Visionär der Raumfahrt mitten im Nationalsozialismus, von dem er sich später stets distanzierte. Der Raketenkonstrukteur baute auf der sprichwörtlich einen Seite Hitlers Wunderwaffe „V2“ und auf der anderen brachte seine „Saturn-V-Rakete“ die US-Astronauten Neil Armstrong, EdwinBuzzAldrin und Michael Collins ins All.
Doch erst durch ihn eroberten die Menschen den Mond und nach und nach den Weltraum.

Der Griff nach den Sternen

1912 wurde er als Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun in der Provinz Posen in Oberschlesien geboren. Sein Vater, ein Großgrundbesitzer, erwartete eigentlich, dass er in seine landwirtschaftlichen Fußstapfen treten würde. Aber Wernher widmete schon als Kind sein Leben lieber der Raumfahrt. Seine missglückten und unerfreulich endenden Experimente wurden mit Taschengeldentzug bestraft, hielten ihn aber nicht davon ab, weiter zu machen. Zur Konfirmation bekam Wernher von Braun von seiner Mutter ein Teleskop geschenkt. Das Buch des prophetischen Initiators der Raumfahrt, Hermann Oberth, „Die Rakete zu den Planetenräumen“, studiert er eingehend. Bis zum Mars oder wenigstens bis zum Mond sollte es gehen.

Wernher von Braun – diesen Namen impliziert man sofort als den des Pioniers der Raumfahrt

Wernher von Braun – diesen Namen impliziert man sofort als den des Pioniers der Raumfahrt

 

Zwanzigjährig experimentierte er mit zwei Freunden auf einem verlassenen Berliner Schießplatz mit Feuerwerksraketen und Flüssigtreibstoffen. Das machte das Heereswaffenamt auf sie aufmerksam. Von Braun sagte später: „Moralische Bedenken waren uns fremd, wir waren einzig daran interessiert, den Weltraum zu erkunden. Uns stellte sich daher nur die Frage, wie wir die goldene Kuh am besten melken konnten.“ Die Experimente für die Raumfahrt werden nun finanziert. Zwei Jahre später, 1934, schreibt er seine Doktorarbeit „Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete“ an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und schließt diese mit der Note „außergewöhnlich“ ab. Das Militär stuft sie als „geheime Kommandosache“ ein und hält sie streng unter Verschluss, denn mit ihr kann man das Aggregat 2 detailgetreu nachbauen. Wenig später wird das Projekt „Aggregat 2“ (A2) vom Heereswaffenamt aufgenommen.

Ein Traum, der zum Albtraum wird

Der Mann, der als Schüler noch als „stinkend faul“ bezeichnet wurde, avancierte nur drei Jahre darauf zum technischen Direktor der neuen Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVA). Er tritt, um seine Forschungen in der Raumfahrt und damit seine Lebensaufgabe fortsetzen zu können der NSDAP bei, wird Mitglied bei der Waffen-SS und steigt in dieser bis zum Sturmbannführer auf. In der HVA entwickelte Wernher von Braun nun das nachfolgende Aggregat 4 (A4). Die A4 war die erste einsatzfähige Boden-Boden-Rakete mit schubstarkem Flüssigkeitstriebwerk. Durch die Kopplung der Flüssigkeitstriebwerke mit einem Kreiselsystem gelang es, die Flugbahn zu stabilisieren und Abweichungen automatisch auszugleichen. 1943 baute man sie in Hitlers Raketenschmiede bereits in Serie. Ihr erster Einsatz sollte als „V2“ (Vergeltungswaffe 2) nun London und Antwerpen sein. 8000 Menschen sterben dabei …

Als Dr. Christoph von Braun, der Neffe von Wernher von Braun, im letzten Jahr in der TU München einen Vortrag über seinen berühmten und umstrittenen Onkel hielt, meinte er: „In der Verfolgung seines Traums war er allerdings unermüdlich und getrieben, vielleicht zu sehr getrieben, so dass er den Blick für die politische Wirklichkeit verlor. Es ist eben naiv zu glauben, mit heiler Haut davonzukommen, wenn man sich mit dem Teufel einlässt.“ Nach dem Sieg der Alliierten und Hitlers Tod kapituliert Wernher von Braun mit 126 Mitarbeitern vor dem US-Militär. Noch 1945 siedelte er in die USA über, die händeringend nach Wissenschaftlern wie ihn suchten. Wernher von Braun fand in der US-Raumfahrtbehörde NASA eine neue goldene Kuh. Zehn Jahre später besaß er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Er stieg zum stellvertretenden Direktor der NASA auf und war seinem Traum wieder ein Stück näher. Am 16. Juli 1969 sollte ein großer Teil dieses Kindheitstraums in Erfüllung gehen, als die „Apollo 11“ die Astronauten auf den Mond brachte. Die Raumfahrt war revolutioniert.

Sein Vermächtnis für die Raumfahrt

Mittlerweile schickt das Weltraumauto „Curiosity“ der NASA seit Monaten ganze Fotostrecken vom Roten Planeten. Es gibt bereits Bilder von Mars-Flusskieseln, welche neue Hinweise dafür liefern, dass es auf dem Mars einmal Wasser gegeben haben muss. Die US-Weltraumbehörde NASA und die europäische Weltraumorganisation ESA wollen in den kommenden Jahren konsequent eine erste bemannte Mission zum Mars vorantreiben. Damit wäre Wernher von Brauns erklärtes Fernziel, sein größter Plan in der Raumfahrt, keine Utopie mehr.
Er wäre sicher sehr begeistert und hätte vielleicht schon ein Patentrezept für einen Weltraum-Schutzanzug gegen die gefährliche, galaktische Strahlung, Staublunge und Sonnenstürme in petto …

„Dieselben Naturkräfte, die uns ermöglichen, zu den Sternen zu fliegen, versetzen uns auch in die Lage, unseren Stern zu vernichten.“ Wernher von Braun (1912-1977), deutsch-amerikanischer Raumfahrttechniker