Hand auf’s Herz: Welcher Autofahrer weiß schon, was sein Wagen bei einer Vollkostenrechnung pro Kilometer wirklich kostet. Meist werden nur die Spritkosten kalkuliert. Ist im gewohnten Supermarkt die Lieblingspizza zu 4,99 Euro gerade ausverkauft, so fährt man eben mit dem Wagen die 10 Kilometer zum nächsten, kauft schnell ein und braust wieder zurück. Die eigene Rechnung lautet dann so: Der Wagen verbraucht 8 Liter pro 100 bei einem Literpreis von 1,40 Euro, die Fahrstrecke betrug 20 Kilometer und bei einem Kilometerpreis von 11 Cent hat die Fahrt hin und zurück nur 2,24 Euro gekostet. Der Pizzapreis inklusive der Fahrtkosten beträgt dann nur 7,23 Euro – also immer noch deutlich billiger als bei einem Pizza-Taxi, auch wenn man sie im Backofen noch aufbacken muss. Diese Kalkulation klingt plausibel, ist aber nur eine Teilkostenrechnung. Die kompletten Kosten für einen PKW (und für alle anderen Produkte oder Dienstleistungen) ermittelt man nur über eine sogenannte Vollkostenrechnung!

Was genau ist eine Vollkostenrechnung?

Die Vollkostenrechnung berechnet alle Leistungen und Kosten, die bei der Herstellung von Produkten oder der Erbringung von Dienstleistungen anfallen, den sogenannten Kostenträgern. Man unterscheidet dabei zwischen Fix- und variablen Kosten. Bei einem Auto zählen Versicherungen und Steuern zu den Fixkosten, Treibstoffe zu den variablen Kosten. Eine Variante davon ist die Unterscheidung zwischen Einzel- und Gemeinkosten, die bei der Vollkostenrechnung in der industriellen Produktion entstehen.

Einzelkosten sind hier beispielsweise Material- oder Lohnkosten pro hergestelltem Teil (z. B. Querlenker für einen VW Golf). Gemeinkosten sind dann die Kosten, die der Produktion dieses Querlenkers nicht unmittelbar zugeordnet werden können, auch Materialgemeinkosten genannt. Dazu zählen etwa Kosten für die Verwaltung und Lagerung.

Wie sieht eine Vollkostenrechnung aus?

Bei einem Mittelklasse-Wagen wie dem VW Golf 1.6 TDI und einem Neupreis von 22.265 Euro sieht die Vollkostenrechnung folgendermaßen aus (Quelle: ADAC Autokosten 2013). Berechnet werden der Wertverlust, die Betriebs-, Fix- und Werkstattkosten inkl. Reifen. Alle Angaben sind Kosten pro Monat. Daraus werden dann die Vollkosten pro Kilometer errechnet:

• Wertverlust: 254 Euro
• Fixkosten: 100 Euro
• Werkstattkosten: 50 Euro
• Betriebskosten: 94 Euro

Aus diesen Teilkosten addieren sich Gesamtkosten pro Monat von 498 Euro, was einem Kilometerpreis von 39,8 Cent entspricht, dem Dreieinhalbfachen der obigen Teilkostenrechnung. Die Pizza kostet also tatsächlich deutlich mehr: 4,99 + 7,96 = 12,95 Euro. Dafür hätte sie das Pizza-Taxi auch geliefert – und bereits fix und fertig.