Wer als Betreiber zum Beispiel einer Pizzeria seine Gemeinkosten nicht kennt, der wird sich nach kurzer Zeit wundern, weil seine Gewinne deutlich unter den Erwartungen im Businessplan bleiben. Denn die seriös berechneten Gemeinkosten gehören in jede fundierte Vollkostenberechnung. Sie ergeben nämlich mit den kalkulierten Einzelkosten erst den exakten Herstellungspreis. Dabei ist es gleich,ob man Pizzas oder Smartphones verkauft. Apple ist dabei sicher ein Vorbild: Beim aktuellen iPhone 5 liegt der der Gewinn pro Gerät bei etwa 60 Prozent (Quelle: FAS v. 30.06.13), das entspricht in Deutschland ca. 390 Euro.

Was versteckt sich hinter den Gemeinkosten?

Gemeinkosten sind die Kosten, die einem Produkt oder einer Dienstleistung nicht direkt zuzuordnen sind. Zusammen mit den Einzelkosten (= Kosten, die direkt einem Produkt oder einer Dienstleistung zugeordnet werden können) ergeben sie erst die kompletten Herstellungskosten. Typische Gemeinkosten sind beispielsweise die anteiligen Personalkosten in der Verwaltung und der Lagerung, dazu die dort entstehenden Energiekosten, aber auch Beiträge für Versicherungen, Berufsgenossenschaften usw. Zumeist wird dabei mit Pauschalbeträgen gerechnet, die sich aus der Kostenstellenberechnung bzw. den Betriebsabrechnungsbögen ergeben, und den Kostenträgern (Produkt, Dienstleistung) zugeschlagen werden.

Gemeinkosten sind werden manchmal auch als indirekte Kosten oder Overheadkosten bezeichnet. Bei einer Vollkostenberechnung unterscheidet man zwischen den Gemeinkosten für Produktion, Material, Verwaltung und Vertrieb. Sie lassen sich zudem in fixe (z. B. Miete Lagerhalle) und variable Kosten (z. B. Strom- und Heizkosten) unterteilen.

Wie entstehen Gemeinkosten?

Gemeinkosten entstehen immer, wenn etwas produziert oder eine Dienstleistung erbracht wird. Dabei lassen sich folgende Gemeinkosten unterscheiden:

Materialgemeinkosten (Miete Warenlager, anteilige Energiekosten etc.) werden mit einem pauschalen Prozentsatz auf die Materialeinzelkosten aufgeschlagen.
• Fertigungsgemeinkosten ergeben sich aus Abschreibungen für Maschinen und Personalkosten, ebenso sind Energiekosten einzubeziehen. Auch hierbei wird ein Pauschalsatz zu den Fertigungseinzelkosten addiert.
• Verwaltungsgemeinkosten berechnen man zum Beispiel aus den Kosten für die eigene oder externe Buchhaltung. Ein entsprechender Pauschbetrag wird dazugerechnet.
• Vertriebsgemeinkosten sind z. B. Fahrzeug- und Lohnkosten. Auch hier wird mit einem Prozentaufschlag kalkuliert.

Für eine Pizzeria ergibt sich folgende Vollkostenkalkulation für eine Pizza:

• Materialeinzelkosten (Mehl, Käse, Gemüse) 1,00 Euro
+ Materialgemeinkosten (10 Prozent) 0,10 Euro
= Materialkosten 1,10 Euro

• Fertigungseinzelkosten 1,00 Euro
+ Fertigungsgemeinkosten (40 Prozent) 0,40 Euro
= Fertigungskosten 1,40 Euro

• Herstellungskosten 2,50 Euro
+ Verwaltungsgemeinkosten (20 Prozent) 0,50 Euro
+ Vertriebsgemeinkosten (10 Prozent) 0,25 Euro
= Selbstkosten pro Pizza 3,25 Euro

Bei einem Verkaufspreis von 6,50 Euro und einer Verkaufszahl von 50 Stück beträgt der Brutto-Gewinn 50 Prozent oder 162,50 Euro pro Tag. Prozentual nicht viel schlechter als Apple!