Die Materialgemeinkosten bezeichnen in der Vollkostenrechnung all jene Kosten, die zur Fertigung eines Produktes nicht direkt zurechenbar sind und über die Kostenstellenrechnung mittels Zuschlagsbasen in die Kostenträgerrechnung einfließen.

Was sind Gemeinkosten?

Zur Herstellung eines Produktes können nicht immer alle Kosten direkt auf das Produkt zugerechnet werden. Zurechenbare Kosten werden Einzelkosten genannt.
Die Gemeinkosten setzen sich aus

  • Löhnen
  • Gehältern
  • Lohnebenkosten
  • Abschreibungen aus Betriebsvermögen
  • Heizung
  • Strom

etc. zusammen, welche bei der Produktion eines Guts ebenfalls anfallen, jedoch nicht in Stück, Minuten oder einer anderen Einheit ausgedrückt werden können. Man kann beispielsweise nicht sagen, dass für die Herstellung einer Tasse Kaffee drei Stück Kaffeemaschinenkosten anfallen. Beispiele für Gemeinkosten für die Zubereitung einer Tasse Kaffee wären unter anderem auch:

  • der Strom zum Betreiben der Kaffeemaschine
  • die Anschaffungskosten des Porzellanservices
  • die Reinigung der Tasse im Geschirrspüler
  • die Einrichtung des Kaffeehauses

    Zu den Materialgemeinkosten zählen beispielsweise auch Mietkosten.

    Zu den Materialgemeinkosten zählen beispielsweise auch Mietkosten.

Wie werden die Materialgemeinkosten ermittelt?

Um die genannten Kosten in die Vollkostenrechnung einbeziehen zu können, hilft man sich über die Kostenstellenrechnung (Betriebsabrechnungsbogen) einen Zuschlagsprozentsatz auf die Materialeinzelkosten zu ermitteln. Aliquot werden über eine Periode alle Kosten des Unternehmens aufgeschlüsselt. Anschließend wird ermittelt, wie viel davon anteilig zu der Kostenstelle Material bzw. in unserem Fall zur Kostenstelle „Getränke“ zugerechnet werden kann.
Die Unternehmen können dabei die Periodenlänge für die Kostenstellenrechnung selbst bestimmen. Ob die Kosten eines Monats oder eines Quartals für die Zuschlagssatzberechnung herangezogen werden, sei jedem selbst überlassen. Wichtig ist allerdings eine laufende Aktualisierung der Zuschlagssätze, um steigenden Materialgemeinkosten in der Preiskalkulation rechtzeitig entgegen wirken zu können.

Die Berechnung der Materialgemeinkosten

Folgendes Beispiel soll die Berechnungsmethode verständlich machen: Für alle Gemeinkosten (Strom, Heizung usw.) werden jeweils ein Drittel aller Kosten für den Getränkebereich angenommen. Monatlich belaufen sich die Gesamtkosten auf € 30.000,-, die anteiligen für die Stelle „Getränke“ € 10.000,-. Alle Einzelkosten (alles, was für die Zubereitung der Getränke monatlich eingekauft wird)betragen monatlich € 2.000,-. Um den Zuschlag für die Kostenkalkulation zu ermitteln, werden Einzelkosten und Gemeinkosten gegenübergestellt:
€ 2000,- Einzelkosten / € 10.000,- Gemeinkosten * 100 = 20% Materialgemeinkostenzuschlag.

Für die Kostenkalkulation aller Getränke werden somit 20 % Materialgemeinkosten auf die Materialeinzelkosten aufgerechnet. Beides zusammen ergibt die Materialkosten eines Produktes. Betragen die Einzelkosten für eine Tasse Kaffee € 1,12, so werden 20% , das sind € 0,22 an Gemeinkosten einkalkuliert, um Stromrechnung, Miete, Heizung usw. mit dem errechneten Kaffeepreis abdecken zu können.