PISA Studie 2016

PISA Studie 2016

Was ist die PISA Studie?

Die PISA Studie ist eine weltweit vergleichende Bildungsstudie, die von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit) in einem dreijährigen Turnus seit dem Jahr 2000 durchgeführt wird. Dabei werden Kenntnisse in den Naturwissenschaften, Lesekompetenz und die Fähigkeiten der Schüler in Mathematik untersucht.

Um die Studie vergleichbar zu machen, werden jeweils 15jährige Schüler getestet, unabhängig von der Klassenstufe und damit auch unabhängig von dem Lehrplan in den jeweiligen Ländern. Die Studie soll erheben, wie fit die Jugendlichen für den Arbeitsmarkt sind. Daher werden auch nur die oben genannten Kompetenzbereiche getestet während Fähigkeiten in musischen Bereichen oder Gesellschaftswissenschaften für die Studie nicht untersucht werden.

Obwohl die Erhebung der OECD auf die Fähigkeiten der 15jährigen Schüler und Schülerinnen fokussiert ist, gibt es die Möglichkeit, auch darüber hinaus Tests durchzuführen. Dies ist in Deutschland zum Beispiel durch einen Bundesländervergleich oder einem Vergleichstest für Eltern, die die gleichen Testaufgaben wie ihre Kinder lösen sollten, umgesetzt worden. Das Akronym PISA lässt sich auf Englisch folgendermaßen auflösen: Programme for International Student Assessment, also Programm für die internationale Bewertung von Schülern und Schülerinnen.

Was ist im PISA Test von 2015 anders?

Der letzte PISA Test wurde 2015 durchgeführt und die Ergebnisse wurden Anfang Dezember 2016 vorgestellt. Dieses Mal standen bei der Überprüfung des Schülerwissenstands die Kenntnisse in den Naturwissenschaften im Mittelpunkt des Interesses – Fragen kamen also aus den Bereichen Chemie, Physik, Biologie und Geowissenschaften.

Es gab aber auch Aufgaben aus den Bereichen Lesekompetenz und Mathematik, die dieses Mal aber keinen Schwerpunkt bildeten. Dieses Mal nahmen über eine halbe Million Jugendliche aus 72 Ländern an der Studie teil und das Testspektrum hat sich über den reinen Nutzwert für den Arbeitsmarkt erhöht. So wurde diesmal auch erhoben, ob Schülerinnen und Schüler Probleme in einem Team gemeinsam lösen können und sie wurden nach ihrem Wohlbefinden gefragt. Zudem kamen in dem Test von 2015 auch Laptops zum Einsatz, auf denen die teilnehmenden Jugendlichen die Fragen beantworten sollten.

Bei den Fragen handelte es sich zum großen Teil um sogenannte Multiple Choice Fragen, bei denen die richtige Lösung oder die richtigen Lösungen markiert werden sollten. Teilweise sollten auch Erklärungen zu den Lösungen verfasst werden. Für die 24 Fragen des PISA Tests von 2015 hatten die Schülerinnen und Schüler zwei Stunden Zeit.

Schüler zum Lernen begeistern - immer noch eine der wichtigsten Komponenten im Bildungssystem

Schüler zum Lernen begeistern – immer noch eine der wichtigsten Komponenten im Bildungssystem

Wie hat sich Deutschland seit der Einführung der PISA Studie im Ranking entwickelt?

Der PISA Schock aus dem Jahr 2000 sitzt auch 15 Jahre nach diesem Test tief: Deutschland schnitt damals unterdurchschnittlich schlecht ab und die Ergebnisse legten deutlich nahe, dass Bildungserfolg in Deutschland eng an die soziale Herkunft gekoppelt war.

Seit diesem Ergebnis hat sich in der Bildungslandschaft viel getan: Bildungsstandards und die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen sind nur zwei der Maßnahmen, die seit 2000 ergriffen wurden. Inzwischen hat sich Deutschland im oberen Drittel der Testteilnehmer etabliert und belegt zum wiederholten Male Platz 16 im Bereich der Naturwissenschaften (beim letzten Durchlauf in den Naturwissenschaften erreichte Deutschland ebenfalls Platz 16 im Ranking, aber damals nahmen nur 65 statt 72 Länder teil).

Im Leseverständnis und in Mathematik haben die Schülerinnen und Schüler sogar besser abgeschnitten. Problematisch ist allerdings, dass es weiterhin einen starken Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft gibt. Darüber hinaus wird den Lehrern und Lehrerinnen in den Naturwissenschaften ein schlechtes Zeugnis ausgestellt, denn sie können anscheinend keine Begeisterung für Naturwissenschaften vermitteln: Deutschland belegt bei der Frage, wie viele der Jugendlichen sich vorstellen können, einen Beruf in den Naturwissenschaften zu ergreifen, einen der letzten Ränge.

Was bedeutet das Ergebnis der PISA Studie für Schulen und Unis?

Einen ähnlichen PISA Schock wie 2000 gab es bei diesem Durchlauf nicht. Zugleich zeigt sich aber auch, dass Deutschland noch nicht zur Spitzengruppe zählt, wo sich zum wiederholten Male Singapur platzieren konnte. Andreas Schleicher, der Koordinator der Studie in Deutschland, geht davon aus, dass dafür wiederum große Anstrengungen in der Bildungspolitik vonnöten sein würden – ähnlich denen, die nach dem Jahr 2000 und dem schlechten PISA Ergebnis in die Wege geleitet wurden.

Für die Schulen zeichnet sich besonders eine Botschaft deutlich ab: Nicht nur Wissen, sondern auch Begeisterung müssen vermittelt werden – und das ist wesentlich schwieriger. Aktives, regelrechtes erlebnisorientiertes Lernen kann ein Weg dahin sein, aber das kostet Zeit und Geld – in einem G8 Gymnasium kaum umzusetzen. Die Universitäten können sich, wenn man davon ausgeht, dass die Berufswünsche der heute 15Jährigen in den nächsten drei bis fünf Jahren stabil bleiben, auf weniger Studierende in den Naturwissenschaften einstellen.

Zudem müssen die Unis auch damit rechnen, dass weniger junge Frauen auf den Spuren von Marie Curie und anderen großen Naturwissenschaftlerinnen wandeln werden, denn die Begeisterung für das Technische und die Naturwissenschaften bleibt vielen Mädchen fremd. Erfreulich wäre für die Universitäten zudem, wenn sich Grundkenntnisse zum Beispiel in der Mathematik oder Rechtschreibung in der Schule besser und effizienter vermitteln ließen – Rückschlüsse darauf lässt der PISA Test von 2015 aber leider kaum zu, sodass weiterhin entsprechende Kurse zur Vermittlung von Grundkenntnissen an den Hochschulen angeboten werden müssen und sich so der Eindruck eines Armutszeugnisses für die deutschen Schulen zumindest in Teilen verfestigt.

Was macht gute Bildung aus?

Einer der großen Kritikpunkte am PISA Test ist, dass er nicht alle Teile der schulischen und anderer Bildung aufzeigt, sondern vielmehr abprüft, ob junge Menschen die nötigen Kenntnisse erworben haben, um für den Arbeitsmarkt einen wertvollen Beitrag zu liefern.

Gute Bildung allerdings sollte mehr umfassen als nur den reinen Nutzwert für die Wirtschaft: Musische und gesellschaftswissenschaftliche Kenntnisse gehören ebenfalls zu einer guten Bildung wie auch kulturelle Fertigkeiten, vielseitige Interessen und das Vermögen, sich intellektuell, aber auch empathisch in neue Sachverhalte einzufühlen.

Ob und wie diese Eigenschaften von der Schule vermitteln werden können und sollen, ist nicht abschließend zu klären. Bildung, und das gilt auch nach den jüngsten PISA Ergebnissen wieder besonders für Deutschland, sollte für alle Gesellschaftsschichten zugänglich sein und soziale Herkunft darf den Bildungserfolg der Kinder nicht prädeterminieren. Gute Bildung – und daran hat sich seit Kant kaum etwas geändert – sollte jeden Menschen, egal welchen Alters, welchen Geschlechts, welcher Religion, sexuellen Orientierung oder welcher Herkunft dazu befähigen, ein mündiges Individuum in der Gesellschaft zu sein, das den Mut hat, sich seines eigenen Verstandes kritisch zu bedienen. Dies erscheint in einer globalisierten Welt, in der viele Medien von dem Anbruch des postfaktischen Zeitalters sprechen, mehr denn je vonnöten zu sein.

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