„Religionsunterricht an Schulen ist heutzutage doch überflüssig.“ So oder so ähnlich lautet wohl die Meinung nicht weniger deutscher Bürger. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Jugendlichen und Kinder weiß ohnehin nichts mehr anzufangen mit Jesus, Maria, Petrus, Paulus, Pontius, Pilatus und wie sie alle heißen. Und die Kinder, die zu Hause noch religiös erzogen werden, glauben meist an einen ganz anderen Gott als unseren christlichen.

Der Religionsunterricht, wie ihn unsere Eltern und Großeltern noch kennen, ist vielleicht tatsächlich etwas veraltet und will so recht nicht mehr in unsere modernen multikulturellen Schulen passen. Heiligenfiguren und deren Feste auswendig zu lernen oder Bibelstellen zu zitieren, scheint wenig erstrebenswert für Kinder muslimischen, jüdischen oder gar keinen Glaubens.

Aber schließlich heißt das Fach ja Religionsunterricht und nicht Christenunterricht. Heutzutage geht es an deutschen Schulen im Religionsunterricht durchaus um die Bibel – unter anderem. Ebenso werden jedoch Koran, Thora, buddhistische, hinduistische und andere religiöse oder spirituelle Lehren untersucht. Oft stellen die Schüler dann fest, so groß sind die Unterschiede gar nicht. Im Grunde vermitteln die meisten Religionen und Glaubensrichtungen dasselbe, nämlich Toleranz, Akzeptanz und den Einsatz für die Menschen, die unsere Hilfe nötig haben.

Dabei werden schon in der Grundschule konfessionsübergreifende Lehrwerke wie beispielsweise die Reihe Bausteine Religion verwendet, die altersgerecht Wissen über alle Weltreligionen und wichtigen Glaubensrichtungen vermitteln. Aufklärung hilft, Vorurteile abzubauen oder sie erst gar nicht entstehen zu lassen. So lernen schon die Kleinsten, dass niemand aufgrund seiner religiösen Gesinnung verurteilt werden darf und dass niemand sich nur über seine Glaubensrichtung definiert.

Heute sollen im Religionsunterricht ethische und moralische Werte vermittelt werden, die ein friedliches Miteinander aller Gesellschaftsmitglieder ermöglichen. Dies beginnt im Religionsunterricht an der Grundschule und setzt sich fort in allen weiteren Schulstufen. Auch an der Abendschule haben die Schüler die Möglichkeit, am Religionsunterricht teilzunehmen. Der Religionsunterricht an weiterführenden Schulen beinhaltet oft philosophische Aspekte, außerdem werden Themen wie Menschenrechte und Lebenskunde behandelt. Besonders in der Sekundarstufe II setzt man sich auch kritisch mit Religion auseinander. Man nimmt Stellung zu den Aussagen bekannter Religionskritiker wie Marx und Feuerbach. Dabei ist es durchaus erlaubt, deren Meinung zu teilen, und sogar erwünscht, eigene Standpunkte zu entwickeln – ob diese nun mit der christlichen Kirche konform sind oder nicht.

Religion ist durchaus ein wichtiges Fach im deutschen Schulunterricht. Auch wenn hier naturgemäß religiöse Inhalte behandelt werden, so steht doch die Vermittlung eines gesellschaftlichen Wertesystems im Vordergrund.